Wenn der Diabetes mit im Gepäck ist – London 2019

Am 12.03 startete meine erste große Reise, bei welcher der Diabetes mit im Gepäck war. Ich bin zuvor zwar öfter mal nach Hause oder Berlin gereist, jedoch war es das erste Mal, dass es für mich in ein Flugzeug ging! Nun ist dem ein oder anderen ja bekannt, dass man keine Flüssigkeiten und spitzen Gegenstände mit in die Kabine nehmen darf, richtig? Da gibt es aber (zum Glück!) eine kleine Ausnahme für Medikamente.
Wie alles ablief und ob es irgendwelche Komplikationen gab, erzähle ich euch hier. 🙂

Ich habe dazu auch mein erstes richtiges YouTube Video gedreht – schaut es euch
hier an! (verzeiht mir meine strubbelige Frisur am Anfang 😀 )

Die erste große Umstellung für mich war wohl all meine Medikamente ins Handgepäck zu packen, denn es gilt die oberste Regel: Der Koffer kann verschwinden, du brauchst aber dein Insulin! Also, alles schön ins Handgepäck, das geht normalerweise nicht so schnell verloren.
Ich muss zum Glück nichts in diese 1l-Beutel packen, für Medikamente gibt es solche Regelungen nicht. Alles was ich benötige, ist ein Schreiben seitens meiner Ärztin, in welchem steht, dass ich Diabetikerin bin und diverse Dinge für meine Reise benötige. Das ist besonders wichtig, da ich auch spitze Gegenstände, wie meine Pennadeln und Lanzetten, mit mir herum trage. Kann ich mich nicht auf Nachfrage als Diabetiker ausweisen, könnte das unnötige Komplikationen bei der Sicherheitskontrolle geben.

Ich muss ehrlich zugeben, mir ging schon ein wenig der Stift 😀 Aber alles cool! Ich habe direkt gesagt, dass ich als Diabetiker Medikamente mit mir führe und auch gefragt, ob sie etwas als Bescheinigung sehen wollen – nö. Also alles durch die Kontrolle und fertig.
Auf dem Hinflug wurde lediglich meine Tasche raus gefischt und es wurde kurz gefragt, zu wem das gehört. Als ich mich meldete war die Sache dann gegessen.
Nach dem Scannen wurde ich nochmals an die Seite gewunken und eine nette Dame hat mich abgetastet. Ich vermute, weil man meinen Sensor am Arm gesehen hat. Sie wusste aber sofort was es ist, meinte zu mir nur: „Ah, tragen Sie einen Sensor?„, was ich mit einem Nicken bestätigte, und vorbei war es.
Merke: Wieder zu viel Schiss vor gar nichts.

Diabetiker Essen an Board?
Ach, so etwas brauche ich nicht. Mal davon abgesehen, dass es bei mir dieses Mal nur ein Kurzflug ist, werde ich auch auf meinem nächsten Langstreckenflug das ganz normale Essen bestellen. Warum gibt es dann solche Menüs? Ohne Garantie spreche ich die Vermutung aus, dass es hauptsächlich für Typ 2er gedacht ist. Das Menü beinhaltet weniger Kohlenhydrate, magereres Fleisch usw. Da das für mich sowieso keine große Rolle spielt, kann ich also ganz beruhigt das normale Essen zu mir nehmen.
Lediglich von dem Schätzen der Insulineinheiten und dem Spritzen bleibe ich an Board nicht verschont.

Wenn der Körper aufgeregt ist, ist es der Blutzucker auch…

Was war denn nun anders als sonst?
Ehrlich gesagt? Gar nichts. London hat dasselbe Klima, Essen und auch der Rest war nicht sonderlich anders als in Deutschland. 
Wenn ich mich bald auf meine nächste Reise mache, wird das schon ganz anders sein.. anderes Klima, Essen, Zeitverschiebung.
Dazu wird dann bestimmt ein ausführlicherer Blogpost kommen – seid gespannt!
Lediglich die Sicherheitskontrolle am Flughafen war etwas aufregend, man fühlt sich dann schon etwas besonders 😀

Vielen Dank für’s Lesen und ich wünsche euch noch eine schöne Woche!



Neue Blog-Reihe

Hallo ihr da draußen!
Auf der Suche nach neuen Themen für meinen Blog, bin ich auf die Idee gekommen, eine eigene „Blog-Reihe“ zu starten.

Unter dem Namen „Der Diabetes und …“ möchte ich verschiedene Themen ansprechen, Fragen klären und Vorurteile aus dem Weg räumen, rund um die Krankheit – ganz egal welcher Typ.

Doch dafür benötige ich eure Hilfe! Ich bin nun mitten drin und bekomme so langsam ein Gefühl dafür, wie es so ist mit dieser Krankheit leben zu müssen. Aber was beschäftigt euch? Was denkt ihr so über den Diabetes – welche Vorurteile habt ihr? Gibt es etwas, dass für euch noch nicht gut genug erklärt oder behandelt wurde? Egal was! Ich bin über sämtliche Vorschläge, Fragen und Vorurteile „froh“ und freue mich darauf, sie mit euch thematisieren zu können.

Gerne könnt ihr unter diesem Beitrag ein Kommentar da lassen oder Kontakt über das Formular hier aufnehmen.
Ansonsten findet ihr mich noch auf Instagram oder Facebook.

Man sieht sich & „folgen“ nicht vergessen 🙂

Aus 2 wurden 9 Liter Wasser

Viele stellen mir die Frage „Hätte man es ahnen können?„.
Mir ist (rückblickend) aufgefallen, dass die Symptome schon früh aufgetreten, allerdings nicht ernst genommen worden sind.

Ich denke, es kennt jeder die weit verbreiteten Symptome wie Durst, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Ich hatte jedoch das Problem, dass ich sie nicht so richtig ernst genommen habe und vor allem, ich konnte sie nicht richtig einordnen und deuten.
Mitte 2016 wurde bei der Blutabnahme ein erhöhten HbA1c-Wert festgestellt und mit dem Rat „gesünder zu essen und mehr Sport zu treiben“ wieder abgetan – „Das wird wieder. Keine Angst.“
(Kleiner Spoiler: Es wurde nicht wieder.)

Während ich mein Auslandsjahr in Korea verbrachte, wurde der Durst immer mehr. Angefangen hat es bei vielleicht 3 Litern am Tag.
Ich habe angefangen Gewicht zu verlieren… Aber das brachte ich mit der zunehmenden Bewegung in Verbindung und die Sommer in Korea haben zur Folge, dass man auch mehr Durst hat.
Kurz gesagt, ich fand für alles eine „Ausrede“, um es nicht mit dem Diabetes in Verbindung zu bringen.

Und dazu kamen noch Kaffee, Tee & andere Getränke

Zurück in Deutschland ging es schleichend weiter. Aus den 3 Litern wurden zunächst 5. Und irgendwann dann 7 oder sogar 9 Liter. Bitte, das ist nicht mehr normal! Und, falls es euch genauso geht, dann nehmt diese Warnzeichen bitte ernst! Kein gesunder Mensch hat ein Verlangen nach mehr als 4 Litern Wasser am Tag!

Das Gewicht wurde in Deutschland dann auch immer weniger. Insgesamt habe ich 20 Kilo abgenommen (kurz vor der Diagnose wog ich 65kg auf 1.84m). Meine Freunde fragten mich nach meinem Geheimnis – wie kann ein normaler, gesunder Mensch so schnell so viel Gewicht verlieren und gleichzeitig Unmengen an Süßkram in sich hinein fressen?!
Und genau da ist der Punkt, ich bin nicht gesund!

Und da kommen wir schon zu dem nächsten Punkt, ich habe Unmengen an Süßkram gefressen – schöner kann man das wirklich nicht beschreiben.
Mehrere Tafeln Schokolade am Tag und ich hatte immer noch Hunger auf mehr! Im Nachhinein auch wieder klar, der Körper hat versucht irgendwie an seinen Zucker bzw. die Energie zu kommen, die wurde aber leider über die Niere und den Urin ausgeschieden. Ihr kennt das bestimmt, den berüchtigten Heißhunger? So ging es mir quasi 24/7.

Bei jedem Menschen äußert sich diese Krankheit anders, vieles ist aber oft gleich: Durst & Gewichtsabnahme.
Falls ihr bei euch bemerkt habt, dass ihr vermehrt trinken müsst und auch nachts auf’s Klo rennt und direkt „nachtrinken“ müsst, dann lasst euch durch checken!
Ignoriert die Symptome nicht, so wie ich es tat. Und lasst es vor allem nicht so weit kommen, wie bei mir letztendlich: zur Ketoazidose. Dahin wollte ihr nicht, das kann ich euch versichern. Ein kurzer Bluttest reicht – ihr müsst nicht einmal zur Blutabnahme, viele Apotheken machen einen Schnelltest!

Also, um meine Frage vom Anfang zu beantworten: Ja, man hätte es ahnen können. Diese Wassermenge ist nicht normal und spätestens als ich aussah wie eine ausgetrocknete Leiche hätte allen sofort klar sein müssen, dass es KEINE Grippe ist.

Habt ihr weitere Fragen zu mir oder meinem dunklen Begleiter? Schreibt mir gerne ein Kommentar, Mail oder schaut auf meinem Instagram Account vorbei! 🙂

Alles nur ein Traum?

Irgendwann wachst du auf, und es ist alles nur ein böser Traum gewesen.
Irgendwann wachst du auf, und kannst so viel essen, ohne direkt an Mathe denken zu müssen.
Irgendwann wachst du auf, und musst dich nicht mehr fünf Mal am Tag selbst spritzen.

& irgendwann wache ich auf, und ich muss keine Angst mehr um meine gesundheitliche Zukunft haben: Wo bekomme ich mein Insulin her? Wer zahlt es? Wird mich die Krankenkasse annehmen? Wer setzt mir, im Falle einer schweren Hypoglykämie, die lebensrettende Spritze und holt mich zurück? Warum kann man nicht einfach Bauchspeicheldrüsen transplantieren und es funktioniert wieder alles einwandfrei?

Hätte man es vorbeugen können? Hätte man es ahnen können? Seit wann schlummert diese tödliche Krankheit in mir? Was, wenn ich vor 80 Jahren gelebt hätte, das wäre mein Todesurteil gewesen. Wäre mein Leben ganz anders verlaufen, wenn man es früher bemerkt hätte? Hätte, hätte, Fahrradkette.

Ist das Leben jetzt überhaupt noch lebenswert? Wie kann ich jemals das Essen genießen, wenn der erste und wichtigste Gedanke nur das Insulin ist? Werde ich denn jemals wieder essen können, ohne an Zahlen, Dreisatz und Konsequenzen denken zu müssen? Was passiert, wenn ich die Mahlzeit unter- oder sogar überschätzt habe? Warum ist es so unangenehm, in einem Restaurant nach der Menge des Reis oder der Nudeln zu fragen? Was soll dieser Blick? Kann man nicht einfach kurz in der Küche nachfragen und es mir nicht noch unangenehmer machen, als es eh schon ist?

Wieso darf ein gut eingestellter Mensch* nicht mehr den Beruf eines Piloten oder Stewardess ausführen? Es kann doch jedem passieren, dass er in Notfallsituationen plötzlich nicht richtig reagieren kann – was hat das mit meiner kaputten Bauchspeicheldrüse zu tun? Wieso muss ich wegen dieser Krankheit jetzt meinen Traum aufgeben? Und wieso bekomme ich dann nicht einmal den mir zustehenden Behinderungsgrad angerechnet?
Ich darf bestimmte Dinge nicht mehr tun, aber bekomme keine Entschädigung für Stunden beim Arzt, Stunden des Berechnen, des Spritzens. Bekomme die Anerkennung für meinen täglichen Kampf nicht – nur die abwertenden Reaktionen auf die Krankheit „Diabetes“.

Es liegt nicht am meinem Handeln! Ich konnte es doch nicht aufhalten, oder etwa doch? Warum bestraft ihr mich mit Sätzen wie, „Dann musst du jetzt einfach mehr Sport machen und dich fit halten. Dann wird das wieder.“

Verdammt! NEIN! Es wird nicht wieder!

Warum ich?

Ein kurzer Auszug aus meinen Gedanken, die mich täglich beschäftigen.

*unter „gut eingestellt“ versteht man Patienten, die ihren Blutzuckerwert im Rahmen des „Normalen“ halten und gut auf plötzlich auftretende Situationen (z.B. Über- /Unterzuckerung) reagieren können. Die Faktoren entsprechen der benötigen Insulinmenge und er erfährt keine weiteren Einschränkungen im Alltag, als ein gesunder Mensch es tut.
Beitragsbild: Diabetes.co.uk