Diabetes Typ 1 – Was nun? (1)

Über ein halbes Jahr ist meine Diagnose nun schon her. Seit mehr als sechs Monaten führe ich diesen kleinen, aber feinen, Blog und ihr begleitet mich auf meiner Reise! Wahnsinn, oder?
Die Zeit fliegt, neue Erfahrungen wurden gemacht und schon jetzt weiß ich, wie der Hase hier läuft und wie ich mit dem Diabetes umgehen muss.

Einen extra Rückblick auf die vergangenen sechs Monate, habe ich für die Blood-Sugar-Lounge niedergeschrieben, falls euch das interessiert, schaut einfach hier vorbei 🙂

Mit diesem Eintrag möchte ich frischen Diabetikern, aber auch deren Familie und Freunde, etwas Mut machen und ein paar Tipps auf den Weg geben. Man bekommt diese schreckliche Diagnose, was nun? Ich war damals ebenfalls komplett überfordert, und ich denke, dass das auch vollkommen normal und in Ordnung ist.

Zwei Tage nach der Diagnose
11.10.2018, zwei Tage nach der Diagnose

Ich lag damals total erschöpft und kraftlos auf der Überwachungsstation, als morgens um 7:30 Uhr die Visite in das Zimmer kam und die Ärztin mir meine Diagnose verkündete. „Wissen Sie was das bedeutet?“, war ihre Frage. Und nein, das tat ich nicht – wie denn auch? Ich habe sonst mit Krankheiten oder einem kaputten Immunsystem nie etwas am Hut gehabt. Also lag ich da, komplett zugedröhnt mit Schmerzmittel und Medikamenten, und habe die Welt nicht mehr verstanden. Zum Glück kam meine Mama nach Würzburg und übernahm für mich Alles. Wenn sie mich heute noch fragt: „Erinnerst du dich eigentlich noch an die Situation, als …“ – eher selten. Was mir einerseits total Angst macht, andererseits zeigt es, wie schlecht es mir ging. Also, wie soll so ein Mensch begreifen, dass er einen Typ 1 Diabetes hat?

Und da habe ich schon die erste Bitte an Euch, insbesondere an die Außenstehenden: Nehmt diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter. Für den Betroffenen fängt der Horror jetzt erst an und was er dann gar nicht hören möchte, sind Aussagen wie: Das ist gar nicht so schlimm, wie es sich jetzt anhört. Das schaffst du schon ganz locker. Bald kannst du wieder normal weiterleben. Wenigstens darfst du noch alles essen. Das wird schon wieder.

Denn nichts davon stimmt. Ja, die Theorie sagt, dass ich alles weiter so essen kann. Die Praxis ist da aber leider viel komplexer: Fleisch erhöht ebenfalls meinen BZ-Spiegel. Ich muss aufpassen, wie viel Fett und Öl in der Nahrung ist. Jedes Restaurant kocht anders. Ich muss einschätzen, wie viel ich zu welchem Zeitpunkt spritze. Und selbst wenn alles richtig geschätzt wurde: Der Spaziergang nach dem Essen oder der Espresso zur Verdauung – das hat jedes Mal einen anderen Einfluss, den man leider nicht pauschal mit einplanen kann.

Wenn euch wirklich etwas an der erkrankten Person liegt, dann nehmt euch dieses Mal die Zeit und versucht diese Krankheit zu verstehen. Es fängt schon beim Unterschied zwischen Typ 1 und 2 Diabetes an – das ist der erste Schritt! Als Betroffener macht man sich schon genug Vorwürfe, da muss man nicht noch von anderen hören, dass man selbst daran Schuld sei und einfach anfangen soll, gesünder zu essen und sich mehr zu bewegen.

Das Gleiche gilt natürlich auch für den Diabetiker. Mein Tipp: Lernt eure Krankheit kennen. Saugt alle Informationen darüber auf, wie ein Schwamm das Wasser. DAS wird euch helfen, damit zu leben und Frieden schließen zu können. Ihr seid nicht selbst daran Schuld und ihr seid auch nicht schwach! Ihr müsst in der Lage sein, eure Therapie selbst etwas im Griff zu haben und zu wissen, wie was reagiert. Das ist kein ultimatives Rezept, wie ihr 24/7 den Blutzucker eines gesunden Menschen haben könnt, aber es ist der Grundbaustein für ein friedliches Leben mit dem Diabetes.

Das war der erste Teil meiner kleinen Reihe zum Thema „Diabetes & Akzeptanz“, bei welcher ich Tipps und Erfahrungen an alle Beteiligte und Angehörige weitergeben möchte. Habt ihr weitere Tipps? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen 🙂