Neue Blog-Reihe

Hallo ihr da draußen!
Auf der Suche nach neuen Themen für meinen Blog, bin ich auf die Idee gekommen, eine eigene „Blog-Reihe“ zu starten.

Unter dem Namen „Der Diabetes und …“ möchte ich verschiedene Themen ansprechen, Fragen klären und Vorurteile aus dem Weg räumen, rund um die Krankheit – ganz egal welcher Typ.

Doch dafür benötige ich eure Hilfe! Ich bin nun mitten drin und bekomme so langsam ein Gefühl dafür, wie es so ist mit dieser Krankheit leben zu müssen. Aber was beschäftigt euch? Was denkt ihr so über den Diabetes – welche Vorurteile habt ihr? Gibt es etwas, dass für euch noch nicht gut genug erklärt oder behandelt wurde? Egal was! Ich bin über sämtliche Vorschläge, Fragen und Vorurteile „froh“ und freue mich darauf, sie mit euch thematisieren zu können.

Gerne könnt ihr unter diesem Beitrag ein Kommentar da lassen oder Kontakt über das Formular hier aufnehmen.
Ansonsten findet ihr mich noch auf Instagram oder Facebook.

Man sieht sich & „folgen“ nicht vergessen 🙂

Aus 2 wurden 9 Liter Wasser

Viele stellen mir die Frage „Hätte man es ahnen können?„.
Mir ist (rückblickend) aufgefallen, dass die Symptome schon früh aufgetreten, allerdings nicht ernst genommen worden sind.

Ich denke, es kennt jeder die weit verbreiteten Symptome wie Durst, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Ich hatte jedoch das Problem, dass ich sie nicht so richtig ernst genommen habe und vor allem, ich konnte sie nicht richtig einordnen und deuten.
Mitte 2016 wurde bei der Blutabnahme ein erhöhten HbA1c-Wert festgestellt und mit dem Rat „gesünder zu essen und mehr Sport zu treiben“ wieder abgetan – „Das wird wieder. Keine Angst.“
(Kleiner Spoiler: Es wurde nicht wieder.)

Während ich mein Auslandsjahr in Korea verbrachte, wurde der Durst immer mehr. Angefangen hat es bei vielleicht 3 Litern am Tag.
Ich habe angefangen Gewicht zu verlieren… Aber das brachte ich mit der zunehmenden Bewegung in Verbindung und die Sommer in Korea haben zur Folge, dass man auch mehr Durst hat.
Kurz gesagt, ich fand für alles eine „Ausrede“, um es nicht mit dem Diabetes in Verbindung zu bringen.

Und dazu kamen noch Kaffee, Tee & andere Getränke

Zurück in Deutschland ging es schleichend weiter. Aus den 3 Litern wurden zunächst 5. Und irgendwann dann 7 oder sogar 9 Liter. Bitte, das ist nicht mehr normal! Und, falls es euch genauso geht, dann nehmt diese Warnzeichen bitte ernst! Kein gesunder Mensch hat ein Verlangen nach mehr als 4 Litern Wasser am Tag!

Das Gewicht wurde in Deutschland dann auch immer weniger. Insgesamt habe ich 20 Kilo abgenommen (kurz vor der Diagnose wog ich 65kg auf 1.84m). Meine Freunde fragten mich nach meinem Geheimnis – wie kann ein normaler, gesunder Mensch so schnell so viel Gewicht verlieren und gleichzeitig Unmengen an Süßkram in sich hinein fressen?!
Und genau da ist der Punkt, ich bin nicht gesund!

Und da kommen wir schon zu dem nächsten Punkt, ich habe Unmengen an Süßkram gefressen – schöner kann man das wirklich nicht beschreiben.
Mehrere Tafeln Schokolade am Tag und ich hatte immer noch Hunger auf mehr! Im Nachhinein auch wieder klar, der Körper hat versucht irgendwie an seinen Zucker bzw. die Energie zu kommen, die wurde aber leider über die Niere und den Urin ausgeschieden. Ihr kennt das bestimmt, den berüchtigten Heißhunger? So ging es mir quasi 24/7.

Bei jedem Menschen äußert sich diese Krankheit anders, vieles ist aber oft gleich: Durst & Gewichtsabnahme.
Falls ihr bei euch bemerkt habt, dass ihr vermehrt trinken müsst und auch nachts auf’s Klo rennt und direkt „nachtrinken“ müsst, dann lasst euch durch checken!
Ignoriert die Symptome nicht, so wie ich es tat. Und lasst es vor allem nicht so weit kommen, wie bei mir letztendlich: zur Ketoazidose. Dahin wollte ihr nicht, das kann ich euch versichern. Ein kurzer Bluttest reicht – ihr müsst nicht einmal zur Blutabnahme, viele Apotheken machen einen Schnelltest!

Also, um meine Frage vom Anfang zu beantworten: Ja, man hätte es ahnen können. Diese Wassermenge ist nicht normal und spätestens als ich aussah wie eine ausgetrocknete Leiche hätte allen sofort klar sein müssen, dass es KEINE Grippe ist.

Habt ihr weitere Fragen zu mir oder meinem dunklen Begleiter? Schreibt mir gerne ein Kommentar, Mail oder schaut auf meinem Instagram Account vorbei! 🙂

Alles nur ein Traum?

Irgendwann wachst du auf, und es ist alles nur ein böser Traum gewesen.
Irgendwann wachst du auf, und kannst so viel essen, ohne direkt an Mathe denken zu müssen.
Irgendwann wachst du auf, und musst dich nicht mehr fünf Mal am Tag selbst spritzen.

& irgendwann wache ich auf, und ich muss keine Angst mehr um meine gesundheitliche Zukunft haben: Wo bekomme ich mein Insulin her? Wer zahlt es? Wird mich die Krankenkasse annehmen? Wer setzt mir, im Falle einer schweren Hypoglykämie, die lebensrettende Spritze und holt mich zurück? Warum kann man nicht einfach Bauchspeicheldrüsen transplantieren und es funktioniert wieder alles einwandfrei?

Hätte man es vorbeugen können? Hätte man es ahnen können? Seit wann schlummert diese tödliche Krankheit in mir? Was, wenn ich vor 80 Jahren gelebt hätte, das wäre mein Todesurteil gewesen. Wäre mein Leben ganz anders verlaufen, wenn man es früher bemerkt hätte? Hätte, hätte, Fahrradkette.

Ist das Leben jetzt überhaupt noch lebenswert? Wie kann ich jemals das Essen genießen, wenn der erste und wichtigste Gedanke nur das Insulin ist? Werde ich denn jemals wieder essen können, ohne an Zahlen, Dreisatz und Konsequenzen denken zu müssen? Was passiert, wenn ich die Mahlzeit unter- oder sogar überschätzt habe? Warum ist es so unangenehm, in einem Restaurant nach der Menge des Reis oder der Nudeln zu fragen? Was soll dieser Blick? Kann man nicht einfach kurz in der Küche nachfragen und es mir nicht noch unangenehmer machen, als es eh schon ist?

Wieso darf ein gut eingestellter Mensch* nicht mehr den Beruf eines Piloten oder Stewardess ausführen? Es kann doch jedem passieren, dass er in Notfallsituationen plötzlich nicht richtig reagieren kann – was hat das mit meiner kaputten Bauchspeicheldrüse zu tun? Wieso muss ich wegen dieser Krankheit jetzt meinen Traum aufgeben? Und wieso bekomme ich dann nicht einmal den mir zustehenden Behinderungsgrad angerechnet?
Ich darf bestimmte Dinge nicht mehr tun, aber bekomme keine Entschädigung für Stunden beim Arzt, Stunden des Berechnen, des Spritzens. Bekomme die Anerkennung für meinen täglichen Kampf nicht – nur die abwertenden Reaktionen auf die Krankheit „Diabetes“.

Es liegt nicht am meinem Handeln! Ich konnte es doch nicht aufhalten, oder etwa doch? Warum bestraft ihr mich mit Sätzen wie, „Dann musst du jetzt einfach mehr Sport machen und dich fit halten. Dann wird das wieder.“

Verdammt! NEIN! Es wird nicht wieder!

Warum ich?

Ein kurzer Auszug aus meinen Gedanken, die mich täglich beschäftigen.

*unter „gut eingestellt“ versteht man Patienten, die ihren Blutzuckerwert im Rahmen des „Normalen“ halten und gut auf plötzlich auftretende Situationen (z.B. Über- /Unterzuckerung) reagieren können. Die Faktoren entsprechen der benötigen Insulinmenge und er erfährt keine weiteren Einschränkungen im Alltag, als ein gesunder Mensch es tut.
Beitragsbild: Diabetes.co.uk

Mein erster HbA1c-Wert

Am 03.12. hatte ich mein erstes offizielles Arztgespräch als Diabetikerin. Dort werden, neben den allgemeinen Fragen, auch der Fortschritt und die Blutwerte der vergangenen drei Monate besprochen – bei mir die letzten zwei Monate.
Teil dieser Blutwerte ist der berühmte HbA1c-Wert, der von allen Diabetikern sehnsüchtig erwartet und (oftmals) gefeiert wird. Warum? Das möchte ich euch heute etwas näher erklären.

Zu Beginn ist (mal wieder) ein kleiner Exkurs in die Wissenschaft …
Ein wichtiger Bestandteil der roten Blutkörperchen ist Hämoglobin (Hb), manche kennen ihn vielleicht unter der Bezeichnung „roter Blutfarbstoff“. Warum ist er so wichtig? Er ist für den Sauerstoff-Transport im Körper zuständig, da er den Sauerstoff bindet und von der Lunge zu den Organen transportiert. Wenn sich nun Glukose (Zucker) an das Hämoglobin hängt, wird aus dem Ganzen HbA1c. Und mit dem HbA1c-Wert kann man nun herausfinden, wie viel Hämoglobin „verzuckert“ ist. Vielleicht kennt ihr den Ausdruck „Langzeitzucker“? Genau das ist er!
Da diese Körperchen in der Regel nur drei Monate leben, misst man diesen Wert in einem Abstand von acht bis zwölf Wochen.

Bei euch „Normalos“ befindet sich der Wert um die 5% – also sind bei euch ca. 5% der Hämoglobinmoleküle verzuckert. Für Typ-1-Diabetiker wird ein Wert unter 7,5% empfohlen – für Typ-2’er gilt zwischen 6,5 – 7,5%. 
Jetzt wollt ihr bestimmt meinen Wert wissen, oder? 
Na gut, ihr solltet ihn schon auf dem Titelbild gesehen haben – aber ich will es nochmal extra betonen: 7% !!!

Umso höher der HbA1c-Wert, desto öfter und länger waren die Blutzuckerwerte erhöht. Aber! Ein guter Wert bedeutet nicht automatisch, dass die Blutzuckerwerte überwiegend normal waren. Wenn sich erhöhte und erniedrigte Werte häufig abwechseln, kann das ebenfalls zu einem guten Mittelwert führen. Ich war am Anfang noch relativ hoch (im 200 – 300er Bereich) und hatte danach sehr häufig eine Hypo (60-50mg/dL). 

Bei meiner Einlieferung ins Krankenhaus lag mein Wert bei … 12,9%. Krass, oder? Nüchtern war mein Blutzucker auch bei kurz unter 500mg/dL – „normal“ ist hier ein Wert bis 120mg/dL. 

Es hat sich also vieles geändert und ich bin ja schon irgendwie stolz auf mich. Ich hätte auch niemals gedacht, dass man sich so sehr über eine Zahl freuen kann – habe mich auch oft gewundert, als ich auf Instagram Posts über den HbA1c-Wert sah. Und jetzt bin ich selbst so jemand 😀 

Als bereits 2016 ein erhöhter HbA1c-Wert bei mir entdeckt wurde, lag er bei 6,1% – mir wurde damals gesagt, das sei nicht weiter dramatisch und nicht auffällig. Ich bekam kurz gesagt, dass ich gesund essen soll und dann „wird das wieder“. Dass es bereits ein Anzeichen für ein Diabetes war, wurde nicht ernst genommen. Also, fragt bei eurem nächsten Blutbild doch mal nach eurem Wert und checkt euch selbst 😉 . 

Mich würden natürlich eure letzten HbA1c-Werte interessieren. 
Was ich mich für die Zukunft für ein Ziel setze? Auf jeden Fall unter die 7% – aber bitte ohne Stress! Innerhalb so kurzer Zeit von 12,9 auf 7,0 ist schon eine ordentliche Leistung! Sobald ich körperlich fit bin und Sport machen kann, erhoffe ich mir doch locker eine 6,.. 🙂

Aktueller Zustand: Ich verbiete mir weniger Essen – die Hilfe durch den Psychotherapeuten zeigt also Wirkung! Es tut einfach so gut, jemanden an der Seite zu haben, der sich damit wirklich auskennt und einem Tipps geben kann. 
Mein aktuelles Problem sind meine Beine. Das Wort Mononeuropathia multiplex oder Polyneuropathie nimmt aktuell den Großteil meines Lebens ein. Zunächst war es nur ein Taubheitsgefühl und Kribbeln, jetzt habe ich Krämpfe und „blitzartige“ Zuckungen an/in den Füßen. Jetzt wird einiges an Medikamenten ausprobiert – ich hoffe, das geht wieder alles weg…

Ich werde zum Mathe-Ass

Heute soll es mal etwas theoretischer werden, da ich zu diesem Thema die meisten Fragen bekomme. Ich packe einen Schokoriegel aus und bekomme sofort die Frage zu hören: „Ja, darfst du das jetzt überhaupt noch? Du musst doch aufpassen was du isst! Wie machst du das denn jetzt?“ 
Ja, ich darf alles essen. Wie schon in meinem Beitrag „Nutella-Verbot“ erwähnt, gelten für mich keine direkten Verbote. Wie der leitende Doktor der Notaufnahme sagte: „Einem Typ 2 Diabetiker würde man jetzt McDonalds verbieten und ins Fitnessstudio schleifen. Sie dürfen sich die Pommes noch gönnen.“ Na, das lass ich mir natürlich nicht zweimal sagen!

Aber fangen wir mal ganz am Anfang an. 
07:30 Uhr – der Wecker klingelt. Also raus aus der Koje und den Blutzucker messen. Pikser in den Finger, fünf Sekunden warten uuund … 210mg/dL – Mist. 
(Side Note: Tagsüber sollte mein Zucker immer im Bereich um 120mg/dL liegen.)
Ab in die Küche und überlegen, was ich nun frühstücken möchte. Aktuell besteht es großteils aus Eiweißbrot, Nutella, Marmelade. Und dann fängt quasi der nervige Teil dieser Krankheit an – das Rechnen. Würde mich mein alter Mathelehrer (Herr W.) so sehen – ha! Der würde Augen machen. Ich fühle mich nach zwei Wochen ja schon wie ein Mathe-Ass.
Wie bereits erwähnt, abhängig von meinen Mahlzeiten muss ich mehr oder weniger spritzen. Dazu kommt dann noch die Korrektur meines Blutzuckers.

Lasst es uns mal gemeinsam durchrechnen:
Mein Blutzucker (BZ) steht aktuell bei 210 – das Ziel wäre 120. Ich muss in 1:40er Schritten korrigieren, was bedeutet: ab einem Wert von 160 muss ich zusätzlich eine Einheit rechnen, ab 200 zwei Einheiten und so weiter … wir stehen heute morgen bei 210, also zusätzliche drei Einheiten – UNABHÄNGIG was ich nun esse. Und hier erklärt sich schon, warum ich essen kann „was ich will“ – ich müsste jetzt sowieso spritzen. Ob ich mir drei Weizenbrötchen reinziehe, oder nur einen Kaffee trinke, die Korrektur muss ich spritzen – ich komme nicht drum herum. 
Merken wir uns also für die Korrektur schon einmal 3 Einheiten.

 

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100 gr Eiweißbrot haben 15 gr Kohlenhydrate

 Ich möchte heute nur zwei Scheiben essen (was für eine unrealistische Annahme …), zücke die Küchenwaage und wiege ab. Manchmal stehen die Angaben pro Scheibe bereits auf der Packung, manchmal nicht. Circa 80 gr Brot sind es – Dreisatz! 

100 gr = 15 gr KH
1 gr = 0,15 gr KH
80 gr = 12 gr KH 

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Weiter zum Nutella … 

100 gr = 57,5 gr KH
15 gr (eine Portion) = 8,6 gr KH

 

 

 

Und jetzt die Marmelade! Mist … die hat Oma ja selbstgemacht. Keine Angaben über Zucker, geschweige denn Kohlenhydrate. Und nun? Ja, dieses Problem werde ich jetzt wohl öfter haben, dass ich einfach keine genauen Angaben über das Essen habe. Hier habe ich im Moment noch die größten Probleme. Das bessere Einschätzen gewisser Lebensmittel kommt wohl eher mit der Zeit, aber was wenn man überhaupt keine Informationen hat? Ausprobieren und schauen was passiert. 
Da meine Oma weniger Zucker verwendet als die üblichen Supermarkt-Marmeladen besitzen, setze ich die Portion auch weniger an. Aber unterschätzt das Obst nicht!

Eine Portion setze ich ungefähr mit 3 gr KH an.

Zusammen macht es also: 12 gr (Brot) + 8,6 gr (Nutella) + 3 gr (Marmelade) 
Die Butter (die unter Nutella NICHT fehlen darf!) ignoriere ich, da es überwiegend nur Fett ist und keinen Einfluss auf meinen BZ-Spiegel hat.
23,6 gr Kohlenhydrate hat mein kleines Frühstück, damit ich auf die Kohlenhydrat-Einheiten (KE) komme, muss ich das Ergebnis nun durch zehn teilen
→ ~ 2,4 (2,36 aufgerundet)

Schön wäre es, wenn wir jetzt fertig sind. Leider nein … 
Ich habe sogenannte Faktoren, mit welchen ich mein Essen multiplizieren muss. Unterschiedlich zur Tageszeit bzw. Biorhythmus nimmt der Körper das Insulin besser/schlechter auf bzw. benötigt mehr/weniger, um den Zucker zu verarbeiten.
Aktuell sind meine Faktoren 1,5 für tagsüber und für spätabends/nachts 1,0 . 

2,4 * 1,5 = 3,6 Einheiten, die ich allein für das Essen spritzen muss. 
Es gibt Insulin-Pens, die können solche 0,5 Zwischenschritte spritzen, meiner kann nur ganze Schritte, also muss ich dementsprechend auf oder ab runden. 

Kommt ihr noch mit? Gleich geschafft … 
3,6 würde ich aufrunden, also werden es 4 Einheiten für das Frühstück + 3 Einheiten Korrektur. Macht gesamt 7 Einheiten Insulin für mich, damit mein Körper das Frühstück möglichst gut verarbeiten kann und zusätzlich der erhöhte BZ-Spiegel wieder in den Normalbereich kommt.

Puuuh … klingt vielleicht aufwendiger, als es letztendlich ist. Mit der Zeit bekommt man eine Routine, mittlerweile kenne ich viele Werte schon auswendig und muss diesen Dreisatz nicht mehr rechnen. So funktioniert es zumindest, wenn ich daheim esse. 
Im Restaurant wird das Ganze dann etwas aufregender – da habe ich leider keine Nährwerttabelle bei mir und auch keine Küchenwaage 😀
Wie ich in solchen Situationen handle, und mit was ich dann konfrontiert werde, spreche ich in einem neuen Beitrag an. 

Dankeschön für das Durchhalten und Lesen 🙂 Ich hoffe, die meisten sind jetzt nicht noch verwirrter als zuvor und ihr konntet einen Einblick in meine „Essensroutine“ bekommen. Was meint ihr, würdet ihr euch schwer damit tun? Was denkt ihr sind die Vor- und Nachteile? Ich bin neugierig auf eure Meinungen! 🙂

PS.: Danke an die Mathelehrer meiner Vergangenheit, Herr W. und Frau F.  Ihr habt immer an mich und meine Fähigkeiten geglaubt, ohne euch wäre das Alles niemals möglich gewesen.   *Ironie aus*

Aktueller Zustand: Nach mehreren guten Tagen, ist mein BZ-Wert die letzten Tage ein wenig höher. Woran das liegt weiß ich noch nicht so recht. Aktuell probiere ich unterschiedliche Sachen aus und warte ab, wie mein Zuckerwert so darauf reagiert.
Die Ärzte sind mehr als zufrieden mit mir und meiner Entwicklung in der kurzen Zeit. Allerdings gibt es für mich gute, wie aber auch schlechte Tage. Ich denke, dass das normal ist und selbst nach Jahren mit der Krankheit es immer noch bergauf und bergab gehen kann. Die Essenssituation außerhalb meiner Wohnung überfordert mich dennoch sehr und ich fühle mich als würde ich in der Luft hängen. Dann passiert es, dass ich keine Lust zum Essen bekomme und mich am liebsten auf der Couch verkriechen möchte. Zum Glück bin ich nicht alleine und mein Umfeld gibt mir viel Kraft – und das sollte man sich immer vor Augen halten. Man ist auf dieser Welt nicht alleine.

 

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Mein Lebensretter ♥

The Dead Pancreas Gang

Die „tote Bauchspeicheldrüsen Gang“ … hört sich auf Englisch schon etwas cooler an! 😀

Heute möchte ich euch gerne meine neuen besten Freunde, ständigen Wegbegleiter und Lebensretter vorstellen – mein Diabetes Equipment. Früher schleppte ich eine 1.5l Flasche mit mir herum, heute sind es Traubenzucker und Spritzen. (Junkie-Leben ahoi!)

Derzeit sind meine treuen Gefährten noch namenlos. Da ich aber gerne allem und jedem einen Namen gebe, würde ich mich über Namensvorschläge freuen 🙂

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Starten wir doch mal mit diesem kleinen Kerlchen – mein Messgerät  (CONTOUR NEXT ONE; Namensvorschläge gern‘ gesehen). Ich besitze aktuell drei Messgeräte – eins für daheim, eins für meinen Rucksack und eines mit USB Anschluss als Reserve (falls alle Batterien auf einmal leer gehen).

Bevor ich mir das Insulin spritzen kann, geschweige denn anfangen kann zu essen, muss ich meinen aktuellen Blutzuckerspiegel kennen. Seht ihr den schwarzen „Stift“ in der Mitte des Täschchens? Das ist eine Stechhilfe, in welcher eine kleine Nadel (Lanzette) befestigt ist. Ich setze sie an eine meiner Fingerkuppen, löse sie aus und schon erscheint ein kleiner Tropfen Blut. Über die Teststreifen, welche sich in der weißen Box befinden, kann das kleine Messgerät den Blutzucker messen.
Je nach Ergebnis muss ich dann eine Korrektur zusätzlich zu meinen Kohlenhydrat-Einheiten spritzen. Ebenso kann es hilfreich sein eine Unter- bzw. Überzuckerung leichter  zu erkennen und dann schneller zu handeln.

Dazu befinden sich in dem Täschchen noch ein, zwei Tupfer für das Blut, neue Lanzetten, ein paar Insulin-Nadeln und Traubenzucker.

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Darf ich vorstellen? Lebensretter No. 1 (Namensvorschläge gern‘ gesehen)
Im Moment benutze ich noch diese Insulin-Pens – in Zukunft werde ich etwas umweltfreundlicher unterwegs sein und einen wiederverwendbaren Pen mit austauschbarer Ampulle verwenden. – Bild folgt 🙂

Oben seht ihr mein kurzwirksames Insulin (Apidra), welches ich je nach Mahlzeit bzw. Korrektur spritzen muss. Falls ich in die Überzuckerung rutsche – was schnell passieren kann, ganz egal ob ich mich beim Essen verschätzt habe oder meine Tagesverfassung schlecht ist – rettet dieses Freundchen quasi mein Leben.

Der untere Pen ist das langwirksame Insulin (aktuell Lantus, ändert sich aber bald), welches ich mir im Moment abends mit 20 Einheiten spritze. Es wirkt kontinuierlich 24 Stunden hinweg und versorgt mich mit dem Basis-Bedarf. Im besten Falle verändert sich der Blutzuckerwert über 4 – 5 Stunden dann nicht, wenn ich einmal nichts essen sollte (was eher selten vor kommt 😀 ).
– & nein, bei mir blieb der Wert bisher nie im gleichen Bereich.

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Empfohlen von meiner Debitologin und noch total überfordert von der Situation bestellten wir am Tag nach meiner Diagnose direkt das Buch „Kalorien mundgerecht“. Darin sind sämtliche Lebensmittel und fertige Mahlzeiten aus bekannten Fast Food Restaurants – ich nenne keine Namen -, mit allen Nährwerten und bereits umgerechneten Einheiten, verzeichnet. Praktisch gerade für die Anfangszeit – für unterwegs ist es leider etwas groß (ca. 400 Seiten), dafür erscheint aber bald eine abgespeckte Version, welche dann um einiges dünner sein wird.

Eine absolute Empfehlung auch meinerseits und hilft einem sehr bestimmte Lebensmittel einschätzen zu können. (Amazon, 12.95€)

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Die kleinen Marmeladengläschen haben drei verschiedene Zwecke:

  1. In einem bewahre ich meine neuen Insulin-Nadeln auf. Sieht nicht nur schöner aus, ist auch super praktisch für unterwegs.
  2. Traubenzucker always ready! Falls ich in den Unterzucker rutsche habe ich direkt etwas zur Hand. Ich muss nicht erstmal in ein anderes Zimmer stolpern oder in irgendwelchen Kisten oder Schubladen kruschteln, eventuell noch eine Packung versuchen zu öffnen, wenn meine Hände sowieso schon zittern und mir schwindelig ist.
    Eine ausreichende Dosis steht immer parat auf dem Esstisch – für unterwegs habe ich vier bis fünf Stück in sämtlichen Taschen verteilt.
  3. Müll to go. Besonders praktisch für unterwegs, eignet sich ein Marmeladenglas für sämtlichen Müll, der anfällt während dem „Schuss setzen“. Egal ob es der blutige Tupfer oder die gefährliche Insulin-Nadel ist. Für unterwegs benutze ich die kleinen Gläser mit dem roten Deckel – für Zuhause stehen die großen Gläser bereit.

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Und hier kommt auch schon der Lebensretter No. 2 – der bekannte Traubenzucker.
Wie schon erwähnt, für daheim bewahre ich mir immer eine ordentliche Menge in den Marmeladengläsern auf. Der Deckel ist einfach zu öffnen und ich komme schnell an ihn heran, wenn ich ihn dringend benötige. Ab einem Wert von 69mg/dL und darunter spricht man von Unterzuckerung & dann geht es ab.
Zittern, Kälteschweiß, Schwindel und der bekannte Heißhunger. Dann ist es wichtig, dass man schnell handelt und am besten zu Traubenzucker (kurzwirkend) und noch langwirkenden, kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln (Joghurt, Schokolade, Brot, … ) greift. Im Moment reichen mir zwei (oder drei) Traubenzucker und ein Kinderriegel.

 

Viele haben vielleicht schon von Insulinpumpen oder kontinuierlichen Glukosemessgeräten gehört – das kommt für mich im Moment nicht in Frage. Der Gedanke, dass ein Fremdkörper an mir oder in mir angebracht wird, gefällt mir nicht und eine Pumpe kann öfter mal ausfallen. Da bleibe ich doch lieber erst einmal bei der Oldschool-Version und pikse fröhlich weiter.

Aktueller Zustand: Von Tag zu Tag kehren meine körperlichen Kräfte zurück und ich habe so gut wie keine Probleme mehr. Kopfschmerzen plagen mich derzeit (was aber nicht unbedingt vom Zucker kommen muss) und wackelig auf den Beinen bin ich nach zu langen Strecken auch noch.
Psychisch wird meine Verfassung auch besser. Ich bekomme langsam eine Struktur in meinen neuen Alltag und die Ambulanz ist auch mehr als zufrieden mit meinem Fortschritt und meinen aktuellen Werten. Dennoch ist es wichtig, dass ich aufhöre mir ständig irgendwelche Dinge zu verbieten … Wie hat mein Arzt gesagt?

Wir richten das Insulin nach unserem Leben, nicht unser Leben nach dem Insulin.

 

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung.

Vom grippalen Infekt zur Ketoazidose

Kopfschmerzen, Übelkeit … Alles dreht sich. Meine Füße sind kalt wie Eis. Das Aufstehen von der Couch ist unmöglich ohne die Hilfe meines Freundes. Ich atme so stark und schnell, als hätte ich gerade einen Marathon hinter mir – mein Herz springt mir gleich aus der Brust. Essen kann ich seit Tagen kaum noch und trinken tu‘ ich nur, weil mein Mund so trocken vom Atmen ist.

Ein grippaler Infekt? Kein Fieber oder Kratzen im Hals … aber man verlässt sich auf die Ärzte und macht sich keine weiteren Gedanken. Die Blutwerte sind normal, man findet nichts Auffälliges. Also Tee trinken, ausruhen und abwarten.

28.09.2018 – am Morgen mit Kopfschmerzen und Gliederschmerzen aufgewacht. Seit dem kamen schleichend mehr Symptome hinzu. Man denkt sich nichts dabei – vielleicht nachts falsch gelegen. Schlapp fühlt sich jeder einmal, vielleicht die ersten Anzeichen einer Erkältung.

04./05.10.218 – in der Nacht musste ich mich das erste Mal übergeben. Ich fühle mich kraftlos, kann nicht lange stehen und würde am liebsten immer und überall mich einfach hinlegen und schlafen.

08.10.2018 – mittlerweile geht es mir so schlecht, dass ich alleine nicht mehr aufstehen kann. Kein Appetit, ich will einfach nur schlafen.

09.10.2018 – das Essen von gestern Abend sagt erneut „Hallo!“. Kurz vor dem Termin beim Debitologen muss ich mich 2x übergeben und würde am liebsten daheim auf der Couch bleiben. Mein Freund steckt mich dennoch ins Auto und schleppt mich – buchstäblich – zum Arzt. Dort angekommen hinterlasse ich den Ärzten einen bleibenden Eindruck und übergebe mich ein drittes Mal.
Kurz darauf steht auch schon der Rettungswagen mit den Sanitätern vor der Tür und verfrachtet mich ins Uniklinikum.

In den letzten Tagen bekam ich mehr Spritzen, mir wurde mehr Blut abgenommen und ich verbrachte so viel Zeit im Krankenhaus wie in den letzten 23 Jahren meines Lebens zusammen nicht.
Mein Leben wurde um 365° verändert, scheinbar war ich kurz vor dem Koma.
Die vielen Gedanken, die mir durch den Kopf schwirren, möchte ich hier niederschreiben und teilen. Einerseits möchte ich mir damit selbst helfen es zu realisieren und zu verarbeiten, andererseits anderen Mut machen, denen es genauso ergeht und sich mit Allem etwas schwerer tun.

Frau Bauer, Sie haben Diabetes Typ 1. Sie werden sich jetzt ein Leben lang selbst spritzen müssen.“ Als wäre es gestern gewesen … als sie einer 23 Jährigen mit Trypanophobie sagten, dass Nadeln und Spritzen nun zu ihrem Alltag gehören werden.