Alles nur ein Traum?

Irgendwann wachst du auf, und es ist alles nur ein böser Traum gewesen.
Irgendwann wachst du auf, und kannst so viel essen, ohne direkt an Mathe denken zu müssen.
Irgendwann wachst du auf, und musst dich nicht mehr fünf Mal am Tag selbst spritzen.

& irgendwann wache ich auf, und ich muss keine Angst mehr um meine gesundheitliche Zukunft haben: Wo bekomme ich mein Insulin her? Wer zahlt es? Wird mich die Krankenkasse annehmen? Wer setzt mir, im Falle einer schweren Hypoglykämie, die lebensrettende Spritze und holt mich zurück? Warum kann man nicht einfach Bauchspeicheldrüsen transplantieren und es funktioniert wieder alles einwandfrei?

Hätte man es vorbeugen können? Hätte man es ahnen können? Seit wann schlummert diese tödliche Krankheit in mir? Was, wenn ich vor 80 Jahren gelebt hätte, das wäre mein Todesurteil gewesen. Wäre mein Leben ganz anders verlaufen, wenn man es früher bemerkt hätte? Hätte, hätte, Fahrradkette.

Ist das Leben jetzt überhaupt noch lebenswert? Wie kann ich jemals das Essen genießen, wenn der erste und wichtigste Gedanke nur das Insulin ist? Werde ich denn jemals wieder essen können, ohne an Zahlen, Dreisatz und Konsequenzen denken zu müssen? Was passiert, wenn ich die Mahlzeit unter- oder sogar überschätzt habe? Warum ist es so unangenehm, in einem Restaurant nach der Menge des Reis oder der Nudeln zu fragen? Was soll dieser Blick? Kann man nicht einfach kurz in der Küche nachfragen und es mir nicht noch unangenehmer machen, als es eh schon ist?

Wieso darf ein gut eingestellter Mensch* nicht mehr den Beruf eines Piloten oder Stewardess ausführen? Es kann doch jedem passieren, dass er in Notfallsituationen plötzlich nicht richtig reagieren kann – was hat das mit meiner kaputten Bauchspeicheldrüse zu tun? Wieso muss ich wegen dieser Krankheit jetzt meinen Traum aufgeben? Und wieso bekomme ich dann nicht einmal den mir zustehenden Behinderungsgrad angerechnet?
Ich darf bestimmte Dinge nicht mehr tun, aber bekomme keine Entschädigung für Stunden beim Arzt, Stunden des Berechnen, des Spritzens. Bekomme die Anerkennung für meinen täglichen Kampf nicht – nur die abwertenden Reaktionen auf die Krankheit „Diabetes“.

Es liegt nicht am meinem Handeln! Ich konnte es doch nicht aufhalten, oder etwa doch? Warum bestraft ihr mich mit Sätzen wie, „Dann musst du jetzt einfach mehr Sport machen und dich fit halten. Dann wird das wieder.“

Verdammt! NEIN! Es wird nicht wieder!

Warum ich?

Ein kurzer Auszug aus meinen Gedanken, die mich täglich beschäftigen.

*unter „gut eingestellt“ versteht man Patienten, die ihren Blutzuckerwert im Rahmen des „Normalen“ halten und gut auf plötzlich auftretende Situationen (z.B. Über- /Unterzuckerung) reagieren können. Die Faktoren entsprechen der benötigen Insulinmenge und er erfährt keine weiteren Einschränkungen im Alltag, als ein gesunder Mensch es tut.
Beitragsbild: Diabetes.co.uk

Mein erster HbA1c-Wert

Am 03.12. hatte ich mein erstes offizielles Arztgespräch als Diabetikerin. Dort werden, neben den allgemeinen Fragen, auch der Fortschritt und die Blutwerte der vergangenen drei Monate besprochen – bei mir die letzten zwei Monate.
Teil dieser Blutwerte ist der berühmte HbA1c-Wert, der von allen Diabetikern sehnsüchtig erwartet und (oftmals) gefeiert wird. Warum? Das möchte ich euch heute etwas näher erklären.

Zu Beginn ist (mal wieder) ein kleiner Exkurs in die Wissenschaft …
Ein wichtiger Bestandteil der roten Blutkörperchen ist Hämoglobin (Hb), manche kennen ihn vielleicht unter der Bezeichnung „roter Blutfarbstoff“. Warum ist er so wichtig? Er ist für den Sauerstoff-Transport im Körper zuständig, da er den Sauerstoff bindet und von der Lunge zu den Organen transportiert. Wenn sich nun Glukose (Zucker) an das Hämoglobin hängt, wird aus dem Ganzen HbA1c. Und mit dem HbA1c-Wert kann man nun herausfinden, wie viel Hämoglobin „verzuckert“ ist. Vielleicht kennt ihr den Ausdruck „Langzeitzucker“? Genau das ist er!
Da diese Körperchen in der Regel nur drei Monate leben, misst man diesen Wert in einem Abstand von acht bis zwölf Wochen.

Bei euch „Normalos“ befindet sich der Wert um die 5% – also sind bei euch ca. 5% der Hämoglobinmoleküle verzuckert. Für Typ-1-Diabetiker wird ein Wert unter 7,5% empfohlen – für Typ-2’er gilt zwischen 6,5 – 7,5%. 
Jetzt wollt ihr bestimmt meinen Wert wissen, oder? 
Na gut, ihr solltet ihn schon auf dem Titelbild gesehen haben – aber ich will es nochmal extra betonen: 7% !!!

Umso höher der HbA1c-Wert, desto öfter und länger waren die Blutzuckerwerte erhöht. Aber! Ein guter Wert bedeutet nicht automatisch, dass die Blutzuckerwerte überwiegend normal waren. Wenn sich erhöhte und erniedrigte Werte häufig abwechseln, kann das ebenfalls zu einem guten Mittelwert führen. Ich war am Anfang noch relativ hoch (im 200 – 300er Bereich) und hatte danach sehr häufig eine Hypo (60-50mg/dL). 

Bei meiner Einlieferung ins Krankenhaus lag mein Wert bei … 12,9%. Krass, oder? Nüchtern war mein Blutzucker auch bei kurz unter 500mg/dL – „normal“ ist hier ein Wert bis 120mg/dL. 

Es hat sich also vieles geändert und ich bin ja schon irgendwie stolz auf mich. Ich hätte auch niemals gedacht, dass man sich so sehr über eine Zahl freuen kann – habe mich auch oft gewundert, als ich auf Instagram Posts über den HbA1c-Wert sah. Und jetzt bin ich selbst so jemand 😀 

Als bereits 2016 ein erhöhter HbA1c-Wert bei mir entdeckt wurde, lag er bei 6,1% – mir wurde damals gesagt, das sei nicht weiter dramatisch und nicht auffällig. Ich bekam kurz gesagt, dass ich gesund essen soll und dann „wird das wieder“. Dass es bereits ein Anzeichen für ein Diabetes war, wurde nicht ernst genommen. Also, fragt bei eurem nächsten Blutbild doch mal nach eurem Wert und checkt euch selbst 😉 . 

Mich würden natürlich eure letzten HbA1c-Werte interessieren. 
Was ich mich für die Zukunft für ein Ziel setze? Auf jeden Fall unter die 7% – aber bitte ohne Stress! Innerhalb so kurzer Zeit von 12,9 auf 7,0 ist schon eine ordentliche Leistung! Sobald ich körperlich fit bin und Sport machen kann, erhoffe ich mir doch locker eine 6,.. 🙂

Aktueller Zustand: Ich verbiete mir weniger Essen – die Hilfe durch den Psychotherapeuten zeigt also Wirkung! Es tut einfach so gut, jemanden an der Seite zu haben, der sich damit wirklich auskennt und einem Tipps geben kann. 
Mein aktuelles Problem sind meine Beine. Das Wort Mononeuropathia multiplex oder Polyneuropathie nimmt aktuell den Großteil meines Lebens ein. Zunächst war es nur ein Taubheitsgefühl und Kribbeln, jetzt habe ich Krämpfe und „blitzartige“ Zuckungen an/in den Füßen. Jetzt wird einiges an Medikamenten ausprobiert – ich hoffe, das geht wieder alles weg…

Eine Hassliebe

Kurzer Hinweis vorab: In diesem Eintrag spreche ich ein wichtiges Thema und meine Gedanken dazu an. Hier wird nichts beschönigt oder gut geredet. Das ist meine ehrliche Meinung und ich bitte euch diese zu respektieren.

Schon mehrere Male habe ich mich vor dem Auswärtsessen gedrückt, doch jetzt werde ich nicht drum rum kommen. Kohlenhydrate schätzen, entscheiden, ob ich eine Einheit mehr oder weniger spritze, … all‘ das konnte ich bisher relativ gut vermeiden. Mit üblen Folgen: Außerhalb von Zuhause essen oder sogar Essen beim Lieferservice bestellen macht mir mehr Kummer als Freude.
Sobald ich keine Nährwerttabelle zur Hand habe, bekomme ich kleine Panikattacken und schalte irgendwann komplett auf stur. Dann blockiere ich mich innerlich und natürlich folgen dann auch negative Gedanken. „Warum ich?“, „Werde ich jemals überhaupt wieder so essen gehen können wie vorher?“, „Wie schaffen das Andere?“, …
Kurz gesagt: Das Essen macht mir keinen Spaß mehr.
Was vorher sogar Entspannung für mich war, wird so langsam zur Qual. Ich vermiese mir selbst das leckere Essen, die Weihnachtssüßigkeiten, die ich vorher so gerne gefuttert habe.

Ist das gesund? Ganz klar, Nein.
Kann ich es ändern? Nicht alleine. In Verbindung mit Diabetes tauchen u.A. auch immer häufiger Essstörungen auf, da man sich Essen aufgrund des Insulinspritzens verbietet oder vermeidet, man die Lust am Essen verliert oder überfordert mit der Situation ist. Das Thema Essstörungen ist noch viel umfassender, aber ich möchte mich mit diesem Eintrag mit meinem aktuellen Problem befassen.
Noch geht es mir gut, noch esse ich relativ normal und es ist noch alles – mehr oder weniger – im grünen Bereich. Ich erkenne aber selbst, dass eine gewisse Gefahr auch bei mir im Moment vorhanden ist und bevor das Ganze zu groß wird und eskaliert, habe ich mich an einen Psychologen gewandt. Was ist daran auch verwerflich? Nichts, überhaupt gar nichts. Wenn man Hilfe benötigt, dann sollte man sich diese auch holen. Nur, weil man zu einem Psychologen geht, bedeutet es nicht direkt, dass man einen Knacks in der Birne hat. Für mich persönlich war wichtig, dass ich eine neutrale Person an meiner Seite habe, die mir offen und unvoreingenommen sagen kann, ob mein Handeln gut oder schlecht ist, ohne familiär oder freundschaftlich betroffen zu sein.

Klar, man geht davon aus, dass die Familie und die Freunde immer ehrlich zu einem sind – aber seien wir mal ehrlich, 100% neutral kann da niemand sein. Was ja auf der anderen Seite auch gut ist, man möchte für den Betroffenen nur das Beste, ihn beschützen – und nicht direkt ins Gesicht sagen, dass das was er da gemacht hat beschissen war.
Nun ja, mein erstes Gespräch mit dem Seelenklempner ist schon vorbei und wir haben knapp 1.5 Stunden miteinander geredet. Es sprudelte nur so aus mir heraus, meine Gedanken sprangen von einem Thema zum anderen – manchmal hatte ich Angst, er kann mir nicht so recht folgen – und ich hatte so viel Redebedarf, was mir anfangs gar nicht klar war. Zu meinem Erstaunen, konnte er mir doch sehr gut folgen und hat mein Anliegen auf Anhieb verstanden.
Und was sagt er mir? Ich bin damit überhaupt nicht alleine. Und gerade Menschen, die frisch diagnostiziert worden sind, sind besonders anfällig für die Ängste und Probleme beim Essen.
Ich kann es nur immer wieder sagen, meine Beziehung zu Essen war eine große Liebe. Ich habe gerne gegessen, vieles ausprobiert und sogar an die scharfen Köstlichkeiten taste ich mich langsam (sehr, sehr langsam) heran. Und jetzt das. Diese Diagnose. Es zieht einen in ein Loch… ein tiefes, schwarzes, dunkles Loch. Dort gibt es keine Freude am Essen. Dort gibt es nur das Abwiegen, Berechnen, Spritzen. Und am Ende sieht man welche Menge man an Kohlenhydrate man gegessen hat, bekommt von Ärzten zu hören „Sie essen aber viel.“ und dann ist man am Ende. Genau das sind im Moment meine Gedanken.

Es gibt gute Tage, an denen ich mir Mut mache & mir Dinge sage wie: „Du darfst doch alles essen, du musst nur dementsprechend Insulin spritzen.“ „Verbiete dir nichts, du hast nichts, was dich im Essen einschränkt“, „Sei froh, dass es Typ 1 und nicht Typ 2 ist. Dann müsstest du Möhrchen knabbern.“
Aber genauso gibt es eben auch die schlechten Tage.
Bisher habe ich wenig von einen negativen Gedanken und Erfahrungen öffentlich geteilt, aber dieses in mich hinein fressen bringt mich auch nicht weiter. Und ich weiß, dass ich nicht alleine bin und ich weiß auch, dass es doch ganz normal ist, dass man sich Hilfe holt, wenn man sie benötigt!
Kein Außenstehender weiß wie es mir wirklich geht. Keiner von euch hat ein Recht darüber zu urteilen, ob ich psychologische Hilfe benötige, oder nicht. Weil keiner von euch sich täglich mindestens vier Spritzen setzen muss, keiner von euch bevor er isst erstmal fünf Minuten Matheunterricht abhält und eure Finger sind nicht zerstochen vom Blutzuckermessen.

Das soll kein Angriff sein – oh Gott, niemals! Nur muss auch mal klar gesagt werden, dass diese Vorurteile, sei es um die Krankheit zu verharmlosen („Ja, musst jetzt halt immer spritzen, aber sonst geht’s dir ja gut.“) oder sich eine Meinung über den seelischen Zustand eines anderen Menschen zu bilden, endlich mal aufhören müssen. Ich lebe mit der Krankheit seit knapp mehr als einem Monat – mir tun die Menschen leid, die diese Leier schon ihr ganzes Leben hören müssen.

So, das musste jetzt auch mal raus. Zurück zu meinem geplanten Vorgehen, damit ich diese bösen Gedanken wieder aus dem Kopf bekomme.
Neben der Begleitung durch den Psychologen ( ~ einmal im Monat), befinde ich mich, wenn ihr das hier lest, gerade in einer „Konfrontationstherapie“. Ich habe meine Tasche gepackt und bin für ein paar Tage nach Berlin. Dort habe ich keine eigene Küche, werde vier Tage lang nur außerhalb meiner Komfortzone essen und muss damit irgendwie klar kommen. Klar, ich könnte auch die Zeit über hungern und mich nur von Brezel ernähren (da weiß ich die Einheiten schon gut – haha.), aber ich bin ja nicht alleine in Berlin.
Sally begleitet mich und da es unsere Tradition ist, wenn wir irgendwo zusammen sind, werden wir uns mit leckerem Essen zu stopfen.
Insulinspritzen sind genügen vorhanden – der Traubenzuckervorrat ist aufgefüllt. Es sollte also alles gut gehen. Ich erhoffe mir, dass ich etwas therapiert zurück komme und es selbst ganz gut im Griff habe.
Krass, oder? Wie aus einem einfachen Gang zum Bäcker um die Ecke plötzlich zu Stress wird … als normaler Mensch nur schwer vorzustellen.
Wie seht ihr das? Denkt ihr, ich mache es mir schwerer als es ist oder ist es verständlich, was in mir jetzt vorgeht? Ich bin wirklich neugierig …

Der erste Backversuch – Lebkuchen!

Finde das Rezept auch hier: https://youtu.be/vZwV0EdsZC4

Heute würde ich gerne ein Rezept mit meinen persönlichen Erfahrungen an euch weitergeben. Ich war nie ein Fan von „Lowcarb“, aber nachdem ich auf der Suche nach Lebkuchen beinahe einen Zuckerschock (haha.) bekam, machte ich mich etwas schlau und bin auf dieses leckere Rezept gestoßen. 🙂

Durch die totale Drehung in meinem Leben setz‘ ich mich nun viel mehr mit dem Thema „Nährwerte“ und „Inhaltsstoffe“ auseinander. Was man sonst einfach in sich rein gefressen hat, schaut man sich jetzt viel genauer an. Zwei KLEINE Lebkuchen haben 30gr Kohlenhydrate? Wer mich kennt weiß, dass ich mich mit dieser Menge niemals zufrieden geben würde. Kurz gesagt: Meine Lieblingszeit des Jahres wird nun zu einem Spritz-Marathon. Yippie!

Nichts da. So schwer ist das Backen nicht, und den Zucker der Lebkuchen hebe ich mir lieber für mein Nutellabrot am Morgen auf. Das Rezept, was ich euch gleich vorstellen werde, beinhaltet nur Süßungsmittel eurer Wahl. Ich habe eine flüssige Variante gewählt und auch die Menge reduziert – was eine gute Entscheidung war. Mandeln, Haselnüsse und die Schokolade haben ebenfalls nur wenige Kohlenhydrate und sind leichter zu verkraften als die Supermarkt-Variante.

Los geht’s!

Für ein Blech benötigt ihr folgende Zutaten:

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180 gr gemahlene Haselnüsse

65 gr gehackte Mandeln

3 Eier

165 gr Süßstoff

1/2 Packung Lebkuchen-Gewürz (ca. 25 gr)

2 gr Zimt

2 Messerspitzen Natron

80 gr Schokolade (85%)

Alles zusammen in eine große Schüssel geben und mit einem Löffel vermischen.

Ich habe beim ersten Versuch einen Schneebesen benutzt – macht diesen Fehler bitte nicht. 😀

Nachdem ihr eine feste Pampe gezaubert habt, formt kleine Kugeln. Die Größe sollte ungefähr die einer Pflaume sein. Legt sie auf das Blech und drückt sie anschließend mit einem Löffel oder den Händen flach. Wie dick ihr sie macht ist euch überlassen.

Das Meisterwerk kommt für ca. 15 bis 20 Minuten bei 180° in den Backofen. Ich empfehle euch, dass ihr Backofen am Anfang am besten vorheizt, so spart ihr am Ende etwas Zeit.

Sobald die Lebkuchen etwas fester geworden sind, sind sie fertig – es kann aber natürlich jeder selbst für sich entscheiden, ob er sie eher saftiger oder etwas „mehr durch“ möchte.

Solange das Blech abkühlt wird die Schokolade im Wasserbad oder Topf erwärmt. 

Wer lieber Vollmilch-Schokolade mag, kann natürlich auch andere Varianten verwenden – beachtet dann hier nur die neue Kohlenhydratmenge!

Anschließend könnt ihr die flüssige Schoki auf den Lebkuchen verteilen. Derzeit experimentiere ich ein wenig herum und habe auch noch Mandelsplitter hinzugefügt – ist aber jedem selbst überlassen! 🙂 

& fertig! War gar nicht so schwer, oder?

Die gesamte Portion hat circa 4 KE (40gr Kohlenhydrate).

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Danke

Anlässlich des 6. Tages der #happydiabeticchallenge , möchte ich einfach nur kurz Danke sagen. 

Wenn ich an die letzten vier Wochen zurück denke, waren diese Menschen besonders für mich da. Ich bin der Erkrankte, aber sie sind jetzt genauso mit an Board und haben immer den ein oder anderen Traubenzucker dabei, wissen wie man Blutzucker misst oder was sie zu tun ist, wenn es ernst wird.

 

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Mama & Papa, die trotz 200 km Entfernung mehrmals zu mir in die Klinik kamen. Stunden im Stau, trotz Arbeit und Haushalt daheim – morgens, wenn ich Hilfe beim Frühstück brauchte, mittags nicht satt wurde und Verlangen nach Pommes hatte und abends, wenn ich Angst vor dem Alleinsein hatte, Mama & Papa waren immer bei mir. 💙

 

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Sally – meine beste Freundin seit dem Kindergarten. Wir haben schon so viel miteinander durchgemacht. Aber, dass du mich irgendwann im Rollstuhl durch die Flure eines Krankenhauses fährst, weil ich nicht mehr laufen kann… mir die Haare wäschst, weil mir selbst die Kraft fehlt oder mir meine Insulininjektion gibst, weil mir selbst noch der Arsch auf Glatteis ging – damit haben wir nie gerechnet (zumindest nicht vor 2060) 💙

 

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Hoalabärchen – was soll ich schreiben? Alle Worte wären nicht genug. Danke, dass du mein Leben gerettet hast. Dass du mich zu Ärzten geschleppt hast, wenn ich nicht wollte. Dass du nicht locker gelassen hast, nachdem ich angeblich nur eine Grippe hatte. Dass du mir meinen Traubenzucker auspackst, wenn meine Hände so stark zittern, dass ich nichts mehr hin bekomme. Dass du mich aushalten kannst, wenn ich selbst schon längst keine Lust mehr auf mich selbst habe… Ich könnte noch hundert weitere Punkte aufzählen. Ich liebe dich 💙

 

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& zu guter letzt: meine Omi ❤️ die immer bei mir ist, auch wenn es aufgrund der Entfernung nur in Gedanken ist. Die mir wohl die größte Portion Knödel und Dampfnudeln kochen wird, sobald ich sie besuche. Und dann ist die Krankheit einfach mal vergessen und ich kann nur Nathalie sein. 👵🏼💙 {#danke}

Natürlich gibt es da noch viele andere Menschen, die mir täglich Mut zu sprechen und immer für mich da sind. Ich hoffe, dass ihr wisst wie dankbar ich dafür bin und euch alle nicht missen möchte. Solche Zeiten zeigen einfach, wer ist ein wahrer Freund und wer nur Deko. 

Ich werde zum Mathe-Ass

Heute soll es mal etwas theoretischer werden, da ich zu diesem Thema die meisten Fragen bekomme. Ich packe einen Schokoriegel aus und bekomme sofort die Frage zu hören: „Ja, darfst du das jetzt überhaupt noch? Du musst doch aufpassen was du isst! Wie machst du das denn jetzt?“ 
Ja, ich darf alles essen. Wie schon in meinem Beitrag „Nutella-Verbot“ erwähnt, gelten für mich keine direkten Verbote. Wie der leitende Doktor der Notaufnahme sagte: „Einem Typ 2 Diabetiker würde man jetzt McDonalds verbieten und ins Fitnessstudio schleifen. Sie dürfen sich die Pommes noch gönnen.“ Na, das lass ich mir natürlich nicht zweimal sagen!

Aber fangen wir mal ganz am Anfang an. 
07:30 Uhr – der Wecker klingelt. Also raus aus der Koje und den Blutzucker messen. Pikser in den Finger, fünf Sekunden warten uuund … 210mg/dL – Mist. 
(Side Note: Tagsüber sollte mein Zucker immer im Bereich um 120mg/dL liegen.)
Ab in die Küche und überlegen, was ich nun frühstücken möchte. Aktuell besteht es großteils aus Eiweißbrot, Nutella, Marmelade. Und dann fängt quasi der nervige Teil dieser Krankheit an – das Rechnen. Würde mich mein alter Mathelehrer (Herr W.) so sehen – ha! Der würde Augen machen. Ich fühle mich nach zwei Wochen ja schon wie ein Mathe-Ass.
Wie bereits erwähnt, abhängig von meinen Mahlzeiten muss ich mehr oder weniger spritzen. Dazu kommt dann noch die Korrektur meines Blutzuckers.

Lasst es uns mal gemeinsam durchrechnen:
Mein Blutzucker (BZ) steht aktuell bei 210 – das Ziel wäre 120. Ich muss in 1:40er Schritten korrigieren, was bedeutet: ab einem Wert von 160 muss ich zusätzlich eine Einheit rechnen, ab 200 zwei Einheiten und so weiter … wir stehen heute morgen bei 210, also zusätzliche drei Einheiten – UNABHÄNGIG was ich nun esse. Und hier erklärt sich schon, warum ich essen kann „was ich will“ – ich müsste jetzt sowieso spritzen. Ob ich mir drei Weizenbrötchen reinziehe, oder nur einen Kaffee trinke, die Korrektur muss ich spritzen – ich komme nicht drum herum. 
Merken wir uns also für die Korrektur schon einmal 3 Einheiten.

 

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100 gr Eiweißbrot haben 15 gr Kohlenhydrate

 Ich möchte heute nur zwei Scheiben essen (was für eine unrealistische Annahme …), zücke die Küchenwaage und wiege ab. Manchmal stehen die Angaben pro Scheibe bereits auf der Packung, manchmal nicht. Circa 80 gr Brot sind es – Dreisatz! 

100 gr = 15 gr KH
1 gr = 0,15 gr KH
80 gr = 12 gr KH 

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Weiter zum Nutella … 

100 gr = 57,5 gr KH
15 gr (eine Portion) = 8,6 gr KH

 

 

 

Und jetzt die Marmelade! Mist … die hat Oma ja selbstgemacht. Keine Angaben über Zucker, geschweige denn Kohlenhydrate. Und nun? Ja, dieses Problem werde ich jetzt wohl öfter haben, dass ich einfach keine genauen Angaben über das Essen habe. Hier habe ich im Moment noch die größten Probleme. Das bessere Einschätzen gewisser Lebensmittel kommt wohl eher mit der Zeit, aber was wenn man überhaupt keine Informationen hat? Ausprobieren und schauen was passiert. 
Da meine Oma weniger Zucker verwendet als die üblichen Supermarkt-Marmeladen besitzen, setze ich die Portion auch weniger an. Aber unterschätzt das Obst nicht!

Eine Portion setze ich ungefähr mit 3 gr KH an.

Zusammen macht es also: 12 gr (Brot) + 8,6 gr (Nutella) + 3 gr (Marmelade) 
Die Butter (die unter Nutella NICHT fehlen darf!) ignoriere ich, da es überwiegend nur Fett ist und keinen Einfluss auf meinen BZ-Spiegel hat.
23,6 gr Kohlenhydrate hat mein kleines Frühstück, damit ich auf die Kohlenhydrat-Einheiten (KE) komme, muss ich das Ergebnis nun durch zehn teilen
→ ~ 2,4 (2,36 aufgerundet)

Schön wäre es, wenn wir jetzt fertig sind. Leider nein … 
Ich habe sogenannte Faktoren, mit welchen ich mein Essen multiplizieren muss. Unterschiedlich zur Tageszeit bzw. Biorhythmus nimmt der Körper das Insulin besser/schlechter auf bzw. benötigt mehr/weniger, um den Zucker zu verarbeiten.
Aktuell sind meine Faktoren 1,5 für tagsüber und für spätabends/nachts 1,0 . 

2,4 * 1,5 = 3,6 Einheiten, die ich allein für das Essen spritzen muss. 
Es gibt Insulin-Pens, die können solche 0,5 Zwischenschritte spritzen, meiner kann nur ganze Schritte, also muss ich dementsprechend auf oder ab runden. 

Kommt ihr noch mit? Gleich geschafft … 
3,6 würde ich aufrunden, also werden es 4 Einheiten für das Frühstück + 3 Einheiten Korrektur. Macht gesamt 7 Einheiten Insulin für mich, damit mein Körper das Frühstück möglichst gut verarbeiten kann und zusätzlich der erhöhte BZ-Spiegel wieder in den Normalbereich kommt.

Puuuh … klingt vielleicht aufwendiger, als es letztendlich ist. Mit der Zeit bekommt man eine Routine, mittlerweile kenne ich viele Werte schon auswendig und muss diesen Dreisatz nicht mehr rechnen. So funktioniert es zumindest, wenn ich daheim esse. 
Im Restaurant wird das Ganze dann etwas aufregender – da habe ich leider keine Nährwerttabelle bei mir und auch keine Küchenwaage 😀
Wie ich in solchen Situationen handle, und mit was ich dann konfrontiert werde, spreche ich in einem neuen Beitrag an. 

Dankeschön für das Durchhalten und Lesen 🙂 Ich hoffe, die meisten sind jetzt nicht noch verwirrter als zuvor und ihr konntet einen Einblick in meine „Essensroutine“ bekommen. Was meint ihr, würdet ihr euch schwer damit tun? Was denkt ihr sind die Vor- und Nachteile? Ich bin neugierig auf eure Meinungen! 🙂

PS.: Danke an die Mathelehrer meiner Vergangenheit, Herr W. und Frau F.  Ihr habt immer an mich und meine Fähigkeiten geglaubt, ohne euch wäre das Alles niemals möglich gewesen.   *Ironie aus*

Aktueller Zustand: Nach mehreren guten Tagen, ist mein BZ-Wert die letzten Tage ein wenig höher. Woran das liegt weiß ich noch nicht so recht. Aktuell probiere ich unterschiedliche Sachen aus und warte ab, wie mein Zuckerwert so darauf reagiert.
Die Ärzte sind mehr als zufrieden mit mir und meiner Entwicklung in der kurzen Zeit. Allerdings gibt es für mich gute, wie aber auch schlechte Tage. Ich denke, dass das normal ist und selbst nach Jahren mit der Krankheit es immer noch bergauf und bergab gehen kann. Die Essenssituation außerhalb meiner Wohnung überfordert mich dennoch sehr und ich fühle mich als würde ich in der Luft hängen. Dann passiert es, dass ich keine Lust zum Essen bekomme und mich am liebsten auf der Couch verkriechen möchte. Zum Glück bin ich nicht alleine und mein Umfeld gibt mir viel Kraft – und das sollte man sich immer vor Augen halten. Man ist auf dieser Welt nicht alleine.

 

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Mein Lebensretter ♥

The Dead Pancreas Gang

Die „tote Bauchspeicheldrüsen Gang“ … hört sich auf Englisch schon etwas cooler an! 😀

Heute möchte ich euch gerne meine neuen besten Freunde, ständigen Wegbegleiter und Lebensretter vorstellen – mein Diabetes Equipment. Früher schleppte ich eine 1.5l Flasche mit mir herum, heute sind es Traubenzucker und Spritzen. (Junkie-Leben ahoi!)

Derzeit sind meine treuen Gefährten noch namenlos. Da ich aber gerne allem und jedem einen Namen gebe, würde ich mich über Namensvorschläge freuen 🙂

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Starten wir doch mal mit diesem kleinen Kerlchen – mein Messgerät  (CONTOUR NEXT ONE; Namensvorschläge gern‘ gesehen). Ich besitze aktuell drei Messgeräte – eins für daheim, eins für meinen Rucksack und eines mit USB Anschluss als Reserve (falls alle Batterien auf einmal leer gehen).

Bevor ich mir das Insulin spritzen kann, geschweige denn anfangen kann zu essen, muss ich meinen aktuellen Blutzuckerspiegel kennen. Seht ihr den schwarzen „Stift“ in der Mitte des Täschchens? Das ist eine Stechhilfe, in welcher eine kleine Nadel (Lanzette) befestigt ist. Ich setze sie an eine meiner Fingerkuppen, löse sie aus und schon erscheint ein kleiner Tropfen Blut. Über die Teststreifen, welche sich in der weißen Box befinden, kann das kleine Messgerät den Blutzucker messen.
Je nach Ergebnis muss ich dann eine Korrektur zusätzlich zu meinen Kohlenhydrat-Einheiten spritzen. Ebenso kann es hilfreich sein eine Unter- bzw. Überzuckerung leichter  zu erkennen und dann schneller zu handeln.

Dazu befinden sich in dem Täschchen noch ein, zwei Tupfer für das Blut, neue Lanzetten, ein paar Insulin-Nadeln und Traubenzucker.

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Darf ich vorstellen? Lebensretter No. 1 (Namensvorschläge gern‘ gesehen)
Im Moment benutze ich noch diese Insulin-Pens – in Zukunft werde ich etwas umweltfreundlicher unterwegs sein und einen wiederverwendbaren Pen mit austauschbarer Ampulle verwenden. – Bild folgt 🙂

Oben seht ihr mein kurzwirksames Insulin (Apidra), welches ich je nach Mahlzeit bzw. Korrektur spritzen muss. Falls ich in die Überzuckerung rutsche – was schnell passieren kann, ganz egal ob ich mich beim Essen verschätzt habe oder meine Tagesverfassung schlecht ist – rettet dieses Freundchen quasi mein Leben.

Der untere Pen ist das langwirksame Insulin (aktuell Lantus, ändert sich aber bald), welches ich mir im Moment abends mit 20 Einheiten spritze. Es wirkt kontinuierlich 24 Stunden hinweg und versorgt mich mit dem Basis-Bedarf. Im besten Falle verändert sich der Blutzuckerwert über 4 – 5 Stunden dann nicht, wenn ich einmal nichts essen sollte (was eher selten vor kommt 😀 ).
– & nein, bei mir blieb der Wert bisher nie im gleichen Bereich.

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Empfohlen von meiner Debitologin und noch total überfordert von der Situation bestellten wir am Tag nach meiner Diagnose direkt das Buch „Kalorien mundgerecht“. Darin sind sämtliche Lebensmittel und fertige Mahlzeiten aus bekannten Fast Food Restaurants – ich nenne keine Namen -, mit allen Nährwerten und bereits umgerechneten Einheiten, verzeichnet. Praktisch gerade für die Anfangszeit – für unterwegs ist es leider etwas groß (ca. 400 Seiten), dafür erscheint aber bald eine abgespeckte Version, welche dann um einiges dünner sein wird.

Eine absolute Empfehlung auch meinerseits und hilft einem sehr bestimmte Lebensmittel einschätzen zu können. (Amazon, 12.95€)

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Die kleinen Marmeladengläschen haben drei verschiedene Zwecke:

  1. In einem bewahre ich meine neuen Insulin-Nadeln auf. Sieht nicht nur schöner aus, ist auch super praktisch für unterwegs.
  2. Traubenzucker always ready! Falls ich in den Unterzucker rutsche habe ich direkt etwas zur Hand. Ich muss nicht erstmal in ein anderes Zimmer stolpern oder in irgendwelchen Kisten oder Schubladen kruschteln, eventuell noch eine Packung versuchen zu öffnen, wenn meine Hände sowieso schon zittern und mir schwindelig ist.
    Eine ausreichende Dosis steht immer parat auf dem Esstisch – für unterwegs habe ich vier bis fünf Stück in sämtlichen Taschen verteilt.
  3. Müll to go. Besonders praktisch für unterwegs, eignet sich ein Marmeladenglas für sämtlichen Müll, der anfällt während dem „Schuss setzen“. Egal ob es der blutige Tupfer oder die gefährliche Insulin-Nadel ist. Für unterwegs benutze ich die kleinen Gläser mit dem roten Deckel – für Zuhause stehen die großen Gläser bereit.

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Und hier kommt auch schon der Lebensretter No. 2 – der bekannte Traubenzucker.
Wie schon erwähnt, für daheim bewahre ich mir immer eine ordentliche Menge in den Marmeladengläsern auf. Der Deckel ist einfach zu öffnen und ich komme schnell an ihn heran, wenn ich ihn dringend benötige. Ab einem Wert von 69mg/dL und darunter spricht man von Unterzuckerung & dann geht es ab.
Zittern, Kälteschweiß, Schwindel und der bekannte Heißhunger. Dann ist es wichtig, dass man schnell handelt und am besten zu Traubenzucker (kurzwirkend) und noch langwirkenden, kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln (Joghurt, Schokolade, Brot, … ) greift. Im Moment reichen mir zwei (oder drei) Traubenzucker und ein Kinderriegel.

 

Viele haben vielleicht schon von Insulinpumpen oder kontinuierlichen Glukosemessgeräten gehört – das kommt für mich im Moment nicht in Frage. Der Gedanke, dass ein Fremdkörper an mir oder in mir angebracht wird, gefällt mir nicht und eine Pumpe kann öfter mal ausfallen. Da bleibe ich doch lieber erst einmal bei der Oldschool-Version und pikse fröhlich weiter.

Aktueller Zustand: Von Tag zu Tag kehren meine körperlichen Kräfte zurück und ich habe so gut wie keine Probleme mehr. Kopfschmerzen plagen mich derzeit (was aber nicht unbedingt vom Zucker kommen muss) und wackelig auf den Beinen bin ich nach zu langen Strecken auch noch.
Psychisch wird meine Verfassung auch besser. Ich bekomme langsam eine Struktur in meinen neuen Alltag und die Ambulanz ist auch mehr als zufrieden mit meinem Fortschritt und meinen aktuellen Werten. Dennoch ist es wichtig, dass ich aufhöre mir ständig irgendwelche Dinge zu verbieten … Wie hat mein Arzt gesagt?

Wir richten das Insulin nach unserem Leben, nicht unser Leben nach dem Insulin.

 

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