Neue Blog-Reihe

Hallo ihr da draußen!
Auf der Suche nach neuen Themen für meinen Blog, bin ich auf die Idee gekommen, eine eigene „Blog-Reihe“ zu starten.

Unter dem Namen „Der Diabetes und …“ möchte ich verschiedene Themen ansprechen, Fragen klären und Vorurteile aus dem Weg räumen, rund um die Krankheit – ganz egal welcher Typ.

Doch dafür benötige ich eure Hilfe! Ich bin nun mitten drin und bekomme so langsam ein Gefühl dafür, wie es so ist mit dieser Krankheit leben zu müssen. Aber was beschäftigt euch? Was denkt ihr so über den Diabetes – welche Vorurteile habt ihr? Gibt es etwas, dass für euch noch nicht gut genug erklärt oder behandelt wurde? Egal was! Ich bin über sämtliche Vorschläge, Fragen und Vorurteile „froh“ und freue mich darauf, sie mit euch thematisieren zu können.

Gerne könnt ihr unter diesem Beitrag ein Kommentar da lassen oder Kontakt über das Formular hier aufnehmen.
Ansonsten findet ihr mich noch auf Instagram oder Facebook.

Man sieht sich & „folgen“ nicht vergessen 🙂

Aus 2 wurden 9 Liter Wasser

Viele stellen mir die Frage „Hätte man es ahnen können?„.
Mir ist (rückblickend) aufgefallen, dass die Symptome schon früh aufgetreten, allerdings nicht ernst genommen worden sind.

Ich denke, es kennt jeder die weit verbreiteten Symptome wie Durst, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Ich hatte jedoch das Problem, dass ich sie nicht so richtig ernst genommen habe und vor allem, ich konnte sie nicht richtig einordnen und deuten.
Mitte 2016 wurde bei der Blutabnahme ein erhöhten HbA1c-Wert festgestellt und mit dem Rat „gesünder zu essen und mehr Sport zu treiben“ wieder abgetan – „Das wird wieder. Keine Angst.“
(Kleiner Spoiler: Es wurde nicht wieder.)

Während ich mein Auslandsjahr in Korea verbrachte, wurde der Durst immer mehr. Angefangen hat es bei vielleicht 3 Litern am Tag.
Ich habe angefangen Gewicht zu verlieren… Aber das brachte ich mit der zunehmenden Bewegung in Verbindung und die Sommer in Korea haben zur Folge, dass man auch mehr Durst hat.
Kurz gesagt, ich fand für alles eine „Ausrede“, um es nicht mit dem Diabetes in Verbindung zu bringen.

Und dazu kamen noch Kaffee, Tee & andere Getränke

Zurück in Deutschland ging es schleichend weiter. Aus den 3 Litern wurden zunächst 5. Und irgendwann dann 7 oder sogar 9 Liter. Bitte, das ist nicht mehr normal! Und, falls es euch genauso geht, dann nehmt diese Warnzeichen bitte ernst! Kein gesunder Mensch hat ein Verlangen nach mehr als 4 Litern Wasser am Tag!

Das Gewicht wurde in Deutschland dann auch immer weniger. Insgesamt habe ich 20 Kilo abgenommen (kurz vor der Diagnose wog ich 65kg auf 1.84m). Meine Freunde fragten mich nach meinem Geheimnis – wie kann ein normaler, gesunder Mensch so schnell so viel Gewicht verlieren und gleichzeitig Unmengen an Süßkram in sich hinein fressen?!
Und genau da ist der Punkt, ich bin nicht gesund!

Und da kommen wir schon zu dem nächsten Punkt, ich habe Unmengen an Süßkram gefressen – schöner kann man das wirklich nicht beschreiben.
Mehrere Tafeln Schokolade am Tag und ich hatte immer noch Hunger auf mehr! Im Nachhinein auch wieder klar, der Körper hat versucht irgendwie an seinen Zucker bzw. die Energie zu kommen, die wurde aber leider über die Niere und den Urin ausgeschieden. Ihr kennt das bestimmt, den berüchtigten Heißhunger? So ging es mir quasi 24/7.

Bei jedem Menschen äußert sich diese Krankheit anders, vieles ist aber oft gleich: Durst & Gewichtsabnahme.
Falls ihr bei euch bemerkt habt, dass ihr vermehrt trinken müsst und auch nachts auf’s Klo rennt und direkt „nachtrinken“ müsst, dann lasst euch durch checken!
Ignoriert die Symptome nicht, so wie ich es tat. Und lasst es vor allem nicht so weit kommen, wie bei mir letztendlich: zur Ketoazidose. Dahin wollte ihr nicht, das kann ich euch versichern. Ein kurzer Bluttest reicht – ihr müsst nicht einmal zur Blutabnahme, viele Apotheken machen einen Schnelltest!

Also, um meine Frage vom Anfang zu beantworten: Ja, man hätte es ahnen können. Diese Wassermenge ist nicht normal und spätestens als ich aussah wie eine ausgetrocknete Leiche hätte allen sofort klar sein müssen, dass es KEINE Grippe ist.

Habt ihr weitere Fragen zu mir oder meinem dunklen Begleiter? Schreibt mir gerne ein Kommentar, Mail oder schaut auf meinem Instagram Account vorbei! 🙂

Alles nur ein Traum?

Irgendwann wachst du auf, und es ist alles nur ein böser Traum gewesen.
Irgendwann wachst du auf, und kannst so viel essen, ohne direkt an Mathe denken zu müssen.
Irgendwann wachst du auf, und musst dich nicht mehr fünf Mal am Tag selbst spritzen.

& irgendwann wache ich auf, und ich muss keine Angst mehr um meine gesundheitliche Zukunft haben: Wo bekomme ich mein Insulin her? Wer zahlt es? Wird mich die Krankenkasse annehmen? Wer setzt mir, im Falle einer schweren Hypoglykämie, die lebensrettende Spritze und holt mich zurück? Warum kann man nicht einfach Bauchspeicheldrüsen transplantieren und es funktioniert wieder alles einwandfrei?

Hätte man es vorbeugen können? Hätte man es ahnen können? Seit wann schlummert diese tödliche Krankheit in mir? Was, wenn ich vor 80 Jahren gelebt hätte, das wäre mein Todesurteil gewesen. Wäre mein Leben ganz anders verlaufen, wenn man es früher bemerkt hätte? Hätte, hätte, Fahrradkette.

Ist das Leben jetzt überhaupt noch lebenswert? Wie kann ich jemals das Essen genießen, wenn der erste und wichtigste Gedanke nur das Insulin ist? Werde ich denn jemals wieder essen können, ohne an Zahlen, Dreisatz und Konsequenzen denken zu müssen? Was passiert, wenn ich die Mahlzeit unter- oder sogar überschätzt habe? Warum ist es so unangenehm, in einem Restaurant nach der Menge des Reis oder der Nudeln zu fragen? Was soll dieser Blick? Kann man nicht einfach kurz in der Küche nachfragen und es mir nicht noch unangenehmer machen, als es eh schon ist?

Wieso darf ein gut eingestellter Mensch* nicht mehr den Beruf eines Piloten oder Stewardess ausführen? Es kann doch jedem passieren, dass er in Notfallsituationen plötzlich nicht richtig reagieren kann – was hat das mit meiner kaputten Bauchspeicheldrüse zu tun? Wieso muss ich wegen dieser Krankheit jetzt meinen Traum aufgeben? Und wieso bekomme ich dann nicht einmal den mir zustehenden Behinderungsgrad angerechnet?
Ich darf bestimmte Dinge nicht mehr tun, aber bekomme keine Entschädigung für Stunden beim Arzt, Stunden des Berechnen, des Spritzens. Bekomme die Anerkennung für meinen täglichen Kampf nicht – nur die abwertenden Reaktionen auf die Krankheit „Diabetes“.

Es liegt nicht am meinem Handeln! Ich konnte es doch nicht aufhalten, oder etwa doch? Warum bestraft ihr mich mit Sätzen wie, „Dann musst du jetzt einfach mehr Sport machen und dich fit halten. Dann wird das wieder.“

Verdammt! NEIN! Es wird nicht wieder!

Warum ich?

Ein kurzer Auszug aus meinen Gedanken, die mich täglich beschäftigen.

*unter „gut eingestellt“ versteht man Patienten, die ihren Blutzuckerwert im Rahmen des „Normalen“ halten und gut auf plötzlich auftretende Situationen (z.B. Über- /Unterzuckerung) reagieren können. Die Faktoren entsprechen der benötigen Insulinmenge und er erfährt keine weiteren Einschränkungen im Alltag, als ein gesunder Mensch es tut.
Beitragsbild: Diabetes.co.uk

Mein erster HbA1c-Wert

Am 03.12. hatte ich mein erstes offizielles Arztgespräch als Diabetikerin. Dort werden, neben den allgemeinen Fragen, auch der Fortschritt und die Blutwerte der vergangenen drei Monate besprochen – bei mir die letzten zwei Monate.
Teil dieser Blutwerte ist der berühmte HbA1c-Wert, der von allen Diabetikern sehnsüchtig erwartet und (oftmals) gefeiert wird. Warum? Das möchte ich euch heute etwas näher erklären.

Zu Beginn ist (mal wieder) ein kleiner Exkurs in die Wissenschaft …
Ein wichtiger Bestandteil der roten Blutkörperchen ist Hämoglobin (Hb), manche kennen ihn vielleicht unter der Bezeichnung „roter Blutfarbstoff“. Warum ist er so wichtig? Er ist für den Sauerstoff-Transport im Körper zuständig, da er den Sauerstoff bindet und von der Lunge zu den Organen transportiert. Wenn sich nun Glukose (Zucker) an das Hämoglobin hängt, wird aus dem Ganzen HbA1c. Und mit dem HbA1c-Wert kann man nun herausfinden, wie viel Hämoglobin „verzuckert“ ist. Vielleicht kennt ihr den Ausdruck „Langzeitzucker“? Genau das ist er!
Da diese Körperchen in der Regel nur drei Monate leben, misst man diesen Wert in einem Abstand von acht bis zwölf Wochen.

Bei euch „Normalos“ befindet sich der Wert um die 5% – also sind bei euch ca. 5% der Hämoglobinmoleküle verzuckert. Für Typ-1-Diabetiker wird ein Wert unter 7,5% empfohlen – für Typ-2’er gilt zwischen 6,5 – 7,5%. 
Jetzt wollt ihr bestimmt meinen Wert wissen, oder? 
Na gut, ihr solltet ihn schon auf dem Titelbild gesehen haben – aber ich will es nochmal extra betonen: 7% !!!

Umso höher der HbA1c-Wert, desto öfter und länger waren die Blutzuckerwerte erhöht. Aber! Ein guter Wert bedeutet nicht automatisch, dass die Blutzuckerwerte überwiegend normal waren. Wenn sich erhöhte und erniedrigte Werte häufig abwechseln, kann das ebenfalls zu einem guten Mittelwert führen. Ich war am Anfang noch relativ hoch (im 200 – 300er Bereich) und hatte danach sehr häufig eine Hypo (60-50mg/dL). 

Bei meiner Einlieferung ins Krankenhaus lag mein Wert bei … 12,9%. Krass, oder? Nüchtern war mein Blutzucker auch bei kurz unter 500mg/dL – „normal“ ist hier ein Wert bis 120mg/dL. 

Es hat sich also vieles geändert und ich bin ja schon irgendwie stolz auf mich. Ich hätte auch niemals gedacht, dass man sich so sehr über eine Zahl freuen kann – habe mich auch oft gewundert, als ich auf Instagram Posts über den HbA1c-Wert sah. Und jetzt bin ich selbst so jemand 😀 

Als bereits 2016 ein erhöhter HbA1c-Wert bei mir entdeckt wurde, lag er bei 6,1% – mir wurde damals gesagt, das sei nicht weiter dramatisch und nicht auffällig. Ich bekam kurz gesagt, dass ich gesund essen soll und dann „wird das wieder“. Dass es bereits ein Anzeichen für ein Diabetes war, wurde nicht ernst genommen. Also, fragt bei eurem nächsten Blutbild doch mal nach eurem Wert und checkt euch selbst 😉 . 

Mich würden natürlich eure letzten HbA1c-Werte interessieren. 
Was ich mich für die Zukunft für ein Ziel setze? Auf jeden Fall unter die 7% – aber bitte ohne Stress! Innerhalb so kurzer Zeit von 12,9 auf 7,0 ist schon eine ordentliche Leistung! Sobald ich körperlich fit bin und Sport machen kann, erhoffe ich mir doch locker eine 6,.. 🙂

Aktueller Zustand: Ich verbiete mir weniger Essen – die Hilfe durch den Psychotherapeuten zeigt also Wirkung! Es tut einfach so gut, jemanden an der Seite zu haben, der sich damit wirklich auskennt und einem Tipps geben kann. 
Mein aktuelles Problem sind meine Beine. Das Wort Mononeuropathia multiplex oder Polyneuropathie nimmt aktuell den Großteil meines Lebens ein. Zunächst war es nur ein Taubheitsgefühl und Kribbeln, jetzt habe ich Krämpfe und „blitzartige“ Zuckungen an/in den Füßen. Jetzt wird einiges an Medikamenten ausprobiert – ich hoffe, das geht wieder alles weg…

Eine Hassliebe

Kurzer Hinweis vorab: In diesem Eintrag spreche ich ein wichtiges Thema und meine Gedanken dazu an. Hier wird nichts beschönigt oder gut geredet. Das ist meine ehrliche Meinung und ich bitte euch diese zu respektieren.

Schon mehrere Male habe ich mich vor dem Auswärtsessen gedrückt, doch jetzt werde ich nicht drum rum kommen. Kohlenhydrate schätzen, entscheiden, ob ich eine Einheit mehr oder weniger spritze, … all‘ das konnte ich bisher relativ gut vermeiden. Mit üblen Folgen: Außerhalb von Zuhause essen oder sogar Essen beim Lieferservice bestellen macht mir mehr Kummer als Freude.
Sobald ich keine Nährwerttabelle zur Hand habe, bekomme ich kleine Panikattacken und schalte irgendwann komplett auf stur. Dann blockiere ich mich innerlich und natürlich folgen dann auch negative Gedanken. „Warum ich?“, „Werde ich jemals überhaupt wieder so essen gehen können wie vorher?“, „Wie schaffen das Andere?“, …
Kurz gesagt: Das Essen macht mir keinen Spaß mehr.
Was vorher sogar Entspannung für mich war, wird so langsam zur Qual. Ich vermiese mir selbst das leckere Essen, die Weihnachtssüßigkeiten, die ich vorher so gerne gefuttert habe.

Ist das gesund? Ganz klar, Nein.
Kann ich es ändern? Nicht alleine. In Verbindung mit Diabetes tauchen u.A. auch immer häufiger Essstörungen auf, da man sich Essen aufgrund des Insulinspritzens verbietet oder vermeidet, man die Lust am Essen verliert oder überfordert mit der Situation ist. Das Thema Essstörungen ist noch viel umfassender, aber ich möchte mich mit diesem Eintrag mit meinem aktuellen Problem befassen.
Noch geht es mir gut, noch esse ich relativ normal und es ist noch alles – mehr oder weniger – im grünen Bereich. Ich erkenne aber selbst, dass eine gewisse Gefahr auch bei mir im Moment vorhanden ist und bevor das Ganze zu groß wird und eskaliert, habe ich mich an einen Psychologen gewandt. Was ist daran auch verwerflich? Nichts, überhaupt gar nichts. Wenn man Hilfe benötigt, dann sollte man sich diese auch holen. Nur, weil man zu einem Psychologen geht, bedeutet es nicht direkt, dass man einen Knacks in der Birne hat. Für mich persönlich war wichtig, dass ich eine neutrale Person an meiner Seite habe, die mir offen und unvoreingenommen sagen kann, ob mein Handeln gut oder schlecht ist, ohne familiär oder freundschaftlich betroffen zu sein.

Klar, man geht davon aus, dass die Familie und die Freunde immer ehrlich zu einem sind – aber seien wir mal ehrlich, 100% neutral kann da niemand sein. Was ja auf der anderen Seite auch gut ist, man möchte für den Betroffenen nur das Beste, ihn beschützen – und nicht direkt ins Gesicht sagen, dass das was er da gemacht hat beschissen war.
Nun ja, mein erstes Gespräch mit dem Seelenklempner ist schon vorbei und wir haben knapp 1.5 Stunden miteinander geredet. Es sprudelte nur so aus mir heraus, meine Gedanken sprangen von einem Thema zum anderen – manchmal hatte ich Angst, er kann mir nicht so recht folgen – und ich hatte so viel Redebedarf, was mir anfangs gar nicht klar war. Zu meinem Erstaunen, konnte er mir doch sehr gut folgen und hat mein Anliegen auf Anhieb verstanden.
Und was sagt er mir? Ich bin damit überhaupt nicht alleine. Und gerade Menschen, die frisch diagnostiziert worden sind, sind besonders anfällig für die Ängste und Probleme beim Essen.
Ich kann es nur immer wieder sagen, meine Beziehung zu Essen war eine große Liebe. Ich habe gerne gegessen, vieles ausprobiert und sogar an die scharfen Köstlichkeiten taste ich mich langsam (sehr, sehr langsam) heran. Und jetzt das. Diese Diagnose. Es zieht einen in ein Loch… ein tiefes, schwarzes, dunkles Loch. Dort gibt es keine Freude am Essen. Dort gibt es nur das Abwiegen, Berechnen, Spritzen. Und am Ende sieht man welche Menge man an Kohlenhydrate man gegessen hat, bekommt von Ärzten zu hören „Sie essen aber viel.“ und dann ist man am Ende. Genau das sind im Moment meine Gedanken.

Es gibt gute Tage, an denen ich mir Mut mache & mir Dinge sage wie: „Du darfst doch alles essen, du musst nur dementsprechend Insulin spritzen.“ „Verbiete dir nichts, du hast nichts, was dich im Essen einschränkt“, „Sei froh, dass es Typ 1 und nicht Typ 2 ist. Dann müsstest du Möhrchen knabbern.“
Aber genauso gibt es eben auch die schlechten Tage.
Bisher habe ich wenig von einen negativen Gedanken und Erfahrungen öffentlich geteilt, aber dieses in mich hinein fressen bringt mich auch nicht weiter. Und ich weiß, dass ich nicht alleine bin und ich weiß auch, dass es doch ganz normal ist, dass man sich Hilfe holt, wenn man sie benötigt!
Kein Außenstehender weiß wie es mir wirklich geht. Keiner von euch hat ein Recht darüber zu urteilen, ob ich psychologische Hilfe benötige, oder nicht. Weil keiner von euch sich täglich mindestens vier Spritzen setzen muss, keiner von euch bevor er isst erstmal fünf Minuten Matheunterricht abhält und eure Finger sind nicht zerstochen vom Blutzuckermessen.

Das soll kein Angriff sein – oh Gott, niemals! Nur muss auch mal klar gesagt werden, dass diese Vorurteile, sei es um die Krankheit zu verharmlosen („Ja, musst jetzt halt immer spritzen, aber sonst geht’s dir ja gut.“) oder sich eine Meinung über den seelischen Zustand eines anderen Menschen zu bilden, endlich mal aufhören müssen. Ich lebe mit der Krankheit seit knapp mehr als einem Monat – mir tun die Menschen leid, die diese Leier schon ihr ganzes Leben hören müssen.

So, das musste jetzt auch mal raus. Zurück zu meinem geplanten Vorgehen, damit ich diese bösen Gedanken wieder aus dem Kopf bekomme.
Neben der Begleitung durch den Psychologen ( ~ einmal im Monat), befinde ich mich, wenn ihr das hier lest, gerade in einer „Konfrontationstherapie“. Ich habe meine Tasche gepackt und bin für ein paar Tage nach Berlin. Dort habe ich keine eigene Küche, werde vier Tage lang nur außerhalb meiner Komfortzone essen und muss damit irgendwie klar kommen. Klar, ich könnte auch die Zeit über hungern und mich nur von Brezel ernähren (da weiß ich die Einheiten schon gut – haha.), aber ich bin ja nicht alleine in Berlin.
Sally begleitet mich und da es unsere Tradition ist, wenn wir irgendwo zusammen sind, werden wir uns mit leckerem Essen zu stopfen.
Insulinspritzen sind genügen vorhanden – der Traubenzuckervorrat ist aufgefüllt. Es sollte also alles gut gehen. Ich erhoffe mir, dass ich etwas therapiert zurück komme und es selbst ganz gut im Griff habe.
Krass, oder? Wie aus einem einfachen Gang zum Bäcker um die Ecke plötzlich zu Stress wird … als normaler Mensch nur schwer vorzustellen.
Wie seht ihr das? Denkt ihr, ich mache es mir schwerer als es ist oder ist es verständlich, was in mir jetzt vorgeht? Ich bin wirklich neugierig …

Der erste Backversuch – Lebkuchen!

Finde das Rezept auch hier: https://youtu.be/vZwV0EdsZC4

Heute würde ich gerne ein Rezept mit meinen persönlichen Erfahrungen an euch weitergeben. Ich war nie ein Fan von „Lowcarb“, aber nachdem ich auf der Suche nach Lebkuchen beinahe einen Zuckerschock (haha.) bekam, machte ich mich etwas schlau und bin auf dieses leckere Rezept gestoßen. 🙂

Durch die totale Drehung in meinem Leben setz‘ ich mich nun viel mehr mit dem Thema „Nährwerte“ und „Inhaltsstoffe“ auseinander. Was man sonst einfach in sich rein gefressen hat, schaut man sich jetzt viel genauer an. Zwei KLEINE Lebkuchen haben 30gr Kohlenhydrate? Wer mich kennt weiß, dass ich mich mit dieser Menge niemals zufrieden geben würde. Kurz gesagt: Meine Lieblingszeit des Jahres wird nun zu einem Spritz-Marathon. Yippie!

Nichts da. So schwer ist das Backen nicht, und den Zucker der Lebkuchen hebe ich mir lieber für mein Nutellabrot am Morgen auf. Das Rezept, was ich euch gleich vorstellen werde, beinhaltet nur Süßungsmittel eurer Wahl. Ich habe eine flüssige Variante gewählt und auch die Menge reduziert – was eine gute Entscheidung war. Mandeln, Haselnüsse und die Schokolade haben ebenfalls nur wenige Kohlenhydrate und sind leichter zu verkraften als die Supermarkt-Variante.

Los geht’s!

Für ein Blech benötigt ihr folgende Zutaten:

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180 gr gemahlene Haselnüsse

65 gr gehackte Mandeln

3 Eier

165 gr Süßstoff

1/2 Packung Lebkuchen-Gewürz (ca. 25 gr)

2 gr Zimt

2 Messerspitzen Natron

80 gr Schokolade (85%)

Alles zusammen in eine große Schüssel geben und mit einem Löffel vermischen.

Ich habe beim ersten Versuch einen Schneebesen benutzt – macht diesen Fehler bitte nicht. 😀

Nachdem ihr eine feste Pampe gezaubert habt, formt kleine Kugeln. Die Größe sollte ungefähr die einer Pflaume sein. Legt sie auf das Blech und drückt sie anschließend mit einem Löffel oder den Händen flach. Wie dick ihr sie macht ist euch überlassen.

Das Meisterwerk kommt für ca. 15 bis 20 Minuten bei 180° in den Backofen. Ich empfehle euch, dass ihr Backofen am Anfang am besten vorheizt, so spart ihr am Ende etwas Zeit.

Sobald die Lebkuchen etwas fester geworden sind, sind sie fertig – es kann aber natürlich jeder selbst für sich entscheiden, ob er sie eher saftiger oder etwas „mehr durch“ möchte.

Solange das Blech abkühlt wird die Schokolade im Wasserbad oder Topf erwärmt. 

Wer lieber Vollmilch-Schokolade mag, kann natürlich auch andere Varianten verwenden – beachtet dann hier nur die neue Kohlenhydratmenge!

Anschließend könnt ihr die flüssige Schoki auf den Lebkuchen verteilen. Derzeit experimentiere ich ein wenig herum und habe auch noch Mandelsplitter hinzugefügt – ist aber jedem selbst überlassen! 🙂 

& fertig! War gar nicht so schwer, oder?

Die gesamte Portion hat circa 4 KE (40gr Kohlenhydrate).

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Danke

Anlässlich des 6. Tages der #happydiabeticchallenge , möchte ich einfach nur kurz Danke sagen. 

Wenn ich an die letzten vier Wochen zurück denke, waren diese Menschen besonders für mich da. Ich bin der Erkrankte, aber sie sind jetzt genauso mit an Board und haben immer den ein oder anderen Traubenzucker dabei, wissen wie man Blutzucker misst oder was sie zu tun ist, wenn es ernst wird.

 

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Mama & Papa, die trotz 200 km Entfernung mehrmals zu mir in die Klinik kamen. Stunden im Stau, trotz Arbeit und Haushalt daheim – morgens, wenn ich Hilfe beim Frühstück brauchte, mittags nicht satt wurde und Verlangen nach Pommes hatte und abends, wenn ich Angst vor dem Alleinsein hatte, Mama & Papa waren immer bei mir. 💙

 

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Sally – meine beste Freundin seit dem Kindergarten. Wir haben schon so viel miteinander durchgemacht. Aber, dass du mich irgendwann im Rollstuhl durch die Flure eines Krankenhauses fährst, weil ich nicht mehr laufen kann… mir die Haare wäschst, weil mir selbst die Kraft fehlt oder mir meine Insulininjektion gibst, weil mir selbst noch der Arsch auf Glatteis ging – damit haben wir nie gerechnet (zumindest nicht vor 2060) 💙

 

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Hoalabärchen – was soll ich schreiben? Alle Worte wären nicht genug. Danke, dass du mein Leben gerettet hast. Dass du mich zu Ärzten geschleppt hast, wenn ich nicht wollte. Dass du nicht locker gelassen hast, nachdem ich angeblich nur eine Grippe hatte. Dass du mir meinen Traubenzucker auspackst, wenn meine Hände so stark zittern, dass ich nichts mehr hin bekomme. Dass du mich aushalten kannst, wenn ich selbst schon längst keine Lust mehr auf mich selbst habe… Ich könnte noch hundert weitere Punkte aufzählen. Ich liebe dich 💙

 

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& zu guter letzt: meine Omi ❤️ die immer bei mir ist, auch wenn es aufgrund der Entfernung nur in Gedanken ist. Die mir wohl die größte Portion Knödel und Dampfnudeln kochen wird, sobald ich sie besuche. Und dann ist die Krankheit einfach mal vergessen und ich kann nur Nathalie sein. 👵🏼💙 {#danke}

Natürlich gibt es da noch viele andere Menschen, die mir täglich Mut zu sprechen und immer für mich da sind. Ich hoffe, dass ihr wisst wie dankbar ich dafür bin und euch alle nicht missen möchte. Solche Zeiten zeigen einfach, wer ist ein wahrer Freund und wer nur Deko.