Diagnose Diabetes – was nun? 5 Tipps für euch!

Die Diagnose kommt meist ungeplant, zum falschen Zeitpunkt und zerrt einen komplett aus dem alltäglichen Leben. Und was nun? Manche haben Glück und bekommen ein tolles Team von Diabetesberater*innen und Ärzt*innen an die Seite; manche haben da weniger Glück. Wie oft ich schon gehört habe, dass nicht einmal eine Grundlagen-Schulung stattfand und der Mensch einfach ins offene Messer rennt.

Ich bekomme häufiger Nachrichten von frisch diagnostizierten Menschen mit Diabetes, die sich nicht weiter zu helfen wissen. Um eine kleine Hilfeleistung, vor allem für die Anfangszeit, stellen zu können, habe ich mich mal hingesetzt und meine fünf Tipps zusammen geschrieben, wie ich anfangs vorgegangen bin und was ich getan habe, um schnellstmöglich „eins mit dem Diabetes zu werden“.

  1. Gebt euch Zeit, es wurde keine*r als Diabetes-Meister*in geboren! Diabetes mellitus, egal welcher Typ, ist eine komplexe Erkrankung. Vieles hängt miteinander zusammen und meist ist die Ursache einer Blutzucker-Schwankung nicht sofort erkennbar. Von Essen, Stress, Hormonen bis hin zur Wetterlage, es gibt einfach viel zu viele Punkte, die unseren Blutzucker und die allgemeine körperliche Verfassung beeinflussen können. Ihr habt das Essen richtig berechnet und rutscht dennoch in den Über- oder Unterzucker? Es hat nicht bedingt mit eurer Insulininjektion zu tun.
    Um die möglichen Ursachen zu identifizieren und dann auch gekonnt handeln zu können, braucht es Zeit.. viel Zeit. Wenn etwas nicht sofort hinhaut, vergesst bitte nicht: um etwas gut zu können, muss man meist ein paar Mal hinfallen und wieder aufstehen. Ihr konntet bestimmt auch nicht auf Anhieb schwimmen, oder?! 😉
  2. Informieren, Weiterbilden, Austauschen!
    Hört niemals auf dazu zu lernen! Die Wissenschaft steht niemals still, es wird rund um die Uhr an unserer Krankheit geforscht. Und genauso dürft auch ihr niemals still stehen.
    Ihr seid frisch diagnostiziert? Saugt alle Informationen, die ihr zu dieser Krankheit finden könnt, auf, wie ein Schwamm das Wasser. Achtet hier natürlich immer auf die Seriosität der Quelle und ob es bereits neue Erkenntnisse zu diesem Thema gibt!
    Schaut nach möglicher Literatur (bspw. Kalorien mundgerecht), klickt durch Bloggs, schaut YouTube Videos, scrollt durch Instagram. Es gibt mittlerweile so ein tolles Angebot, online wie offline, um sich weiterzubilden.
    Vergesst auch nicht den Wert des Austausches – schaut nach Diabuddies (Freunde bzw. Bekannte mit Diabetes), schließt neue Freundschaften, nehmt Kontakt zu anderen auf etc. etc.


  3. Sucht euch ein Praxisteam, bei dem ihr euch wohlfühlt
    Ihr benötigt ein Team im Hintergrund, das euch den Rücken stärkt. Ein Team von ausgebildeten Menschen, welches euch professionell zur Seite steht. Unabhängig von euren alltäglichen Challenges, die euch der Diabetes stellt, benötigt ihr vor allem für Therapieveränderungen ein Team, auf das ihr euch verlassen könnt. Ihr wollt ein neues System ausprobieren? Eine neue Pumpe? Habt von einem neuen Insulin oder Notfallmedikament gehört? Da sind die Ärzt*innen und Diabetesberater*innen der richtige Ansprechpartner.
    Ja, die Community hilft euch mit ihren Erfahrungen, aber das Praxisteam kann euch zusätzlich noch essenzielles medizinisches Wissen vermitteln. Ein Medikament, welches für den einen super funktioniert, kann bei euch bspw. eine allergische Reaktion hervorrufen – oder mit anderen Medikamenten, die ihr einnehmen müsst, reagieren. Daher ist es immer wichtig, auch auf den Rat eures Praxisteams zu hören bzw. deren Meinung in eure Entscheidung miteinzubeziehen.
    Habt ihr ein Team, welches gegen euch und eure Wünsche spielt, wird das auf Dauer nichts. Zusätzlich kann es euch nur noch frustrieren. Ich weiß, dass es nicht immer einfach ist, eine passende Praxis zu finden. Wenn ihr jedoch die Möglichkeit habt und unzufrieden seid, wechselt! Ihr müsst offen und ehrlich mit dem gesamten Team sprechen können, und dabei sollte es egal sein, ob es sich um eine einfache Ernährungsumstellung oder Blutzuckerschwankungen während dem Sex geht. 😉
  4. Das Ziel: werdet selbst zum Diabetes-Profi
    Kombiniert die Punkte 1 & 2, versteht eure Krankheit und werdet euer eigener Profi! Die Ärzt*innen werden nicht rund um die Uhr auf euch Acht geben können. Meist sehen sie bei den Terminen nur eure letzten Blutzuckerkurven und versuchen daraus etwas abzulesen. Jedoch wissen sie nicht, was euch in den vergangenen Wochen alles beschäftigt hat. Dafür fehlt in Deutschland einfach die Behandlungszeit …
    Daher ist es wichtig, dass ihr auch im Alltag kleine Therapieanpassungen selbständig durchführen könnt. Bitte, ich spreche hier nicht vom kompletten Umstellen der Basalrate ohne ärztliche Betreuung – das kann schnell schief gehen! Solche Umstellungen solltet ihr wirklich immer mit dem Arzt besprechen.
    Bemerkt ihr jedoch Veränderungen bezüglich eures Insulinbedarfs am Mittag? Mhm, schraubt mal selbst in kleinen Schritten an eurem Faktor. Vielleicht hilft es schon?
    Führt selbständig hin und wieder Basalratentests durch und passt daraufhin langsam die Basalrate an.
    Natürlich nur, wenn ihr euch das zutraut und sicher fühlt.
    Damit könnt ihr auch vor eurem Praxisteam etwas angeben 😉
  5. Akzeptiert schlechte Tage, feiert gute Tage & lernt aus beiden
    Jede*r hat mal schlechte Tage – Menschen mit und ohne Diabetes. Der Grund für den schlechten Tag mag dann zwar ein anderer sein, aber damit umgehen solltet ihr relativ gleich. Wenn ihr merkt, dass ihr an der Situation gerade nichts ändern könnt (bspw. bei hormonell bedingten Schwankungen), versucht die Situation zu akzeptieren. Denkt daran, auf schlechte Tage folgen auch die guten Tage – wo Schatten ist, da ist auch Licht.
    Ihr lebt mit einer chronischen Erkrankung, vermutlich für euer gesamtes Leben. Da ist es vollkommen normal, dass nicht immer alles nach Lehrbuch und perfekt läuft. Wenn ihr merkt, ihr kommt aus diesem Tief nicht mehr raus, holt euch Hilfe! Es ist überhaupt nichts verwerflich daran, um Hilfe zu fragen. Die Community ist immer für euch da, und wenn ihr bemerkt, dass ihr ohne professionelle Hilfe nicht weiter kommt, dann geht den Schritt und sucht euch eine*n Psychotherapeut*in.
    Wir müssen damit aufhören, den Besuch bei Therapeut*innen zu verurteilen. Wenn ihr physisch krank seid geht ihr ja auch zu einem Arzt, oder? Was ist daran so schlimm sich psychologische Hilfe zu holen, wenn man merkt man benötigt sie? Nichts. Und das Gleiche gilt auch bei (psychischen) Problemen in Bezug auf den Diabetes.

So, ich hoffe, dass euch diese Punkte etwas weiterhelfen konnten und ihr vielleicht den ein oder anderen Punkt berücksichtigt. Habt ihr weitere Tipps für Neulinge und alte Hasen?

Zum YouTube Video kommt ihr hier:

eure Nathalie

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