Cortison und Diabetes – Endgame

Vor circa zwei Wochen rebellierte mein Körper wieder komplett. Das erste Mal entwickelte ich diese Art von Ausschlag/Ekzem im Jahr 2014. Pünktlich zur Abiturvorbereitung, verbreiteten sich kleine rote Punkte auf meinen Unterarmen bis hin zum Gesicht und vereinzelt an den Beinen. Was es war? Um das herauszufinden musste ich zu drei verschiedenen Ärzten, bis letztendlich in der Hautklinik Karlsruhe der Chefarzt locker flockig die Diagnose raushaute: Erythema Exsudativum Multiforme. Meist tritt diese Art von Hautreaktion nach einer (Virus-)Infektion auf. So war es auch bei mir, denn wenige Tage zuvor hatte ich mit den üblichen Lippenherpesbläschen zu kämpfen. Das war jedoch das erste Mal, dass der Herpes diese Reaktion mit sich brachte.

Behandelt wurde es damals mit einer Cortisonkur (in Form von Tabletten) und einer von der Apotheke angerührten Lotion (die erstaunlich gut roch!). Der Zeitpunkt war jedoch mehr als unangenehm. Während alle meiner Mitschüler*innen in der Schule in den Vorbereitungskursen saßen, lag ich mit starkem Juckreiz und Schmerzen im Bett und verpasste die wertvolle Vorbereitung. (Oder wie meine Lehrerin es damals sagte: Ich übertreibe 🙂 )

Die darauffolgenden Herpesinfektionen verliefen relativ oft ohne darauffolgenden Hautausschlag. Sobald die kleinen Pünktchen zurück kamen, bekam ich die Lotion verschrieben und dies genügte aus. Damals alles noch ohne Diabetes und ohne Sorgen um meine Blutzuckerverläufe.

2021 – Diabetes mellitus Typ 1 am Start – Erythema Exsudativum Multiforme explodiert.

Zunächst hatte ich noch Hoffnungen, dass es wieder von alleine vergeht, da habe ich die Rechnung aber ohne meine Haut gemacht. Über Nacht explodierten die Punkte auf meiner Haut, diesmal nicht nur auf dem Handrücken, auch auf der Innenseite, der Schulter, dem Rücken, den Beinen. Und was hat noch gefehlt? Ein Brückentag, mein Hausarzt war nicht in der Praxis.

Was macht man da? Genau, man geht zum ambulanten Bereitschaftsdienst in die Klinik, zu all den Menschen, die eine einfache Krankmeldung benötigen (no hate). Insgesamt knapp drei Stunden saß ich dort auf dem Gang, zwischen hustenden Menschen, ohne Maske, ohne Sicherheitsabstand. Menschen, die sich anschrien, am Telefon jammerten und alle 10 Minuten ins Sekretariat liefen, um nachzufragen, wann sie denn endlich dran kämen.
Ein kleiner Zettel an der Wand verriet mir, dass „aufgrund unterschiedlicher Behandlungsanliegen eine Reihenfolge nach Anmeldung nicht garantiert werden kann“. Das muss wohl der Grund dafür gewesen sein, dass ich einer der Letzten auf dem Gang war, obwohl ich nicht eine der Letzten bei der Anmeldung war.

Okay, das ist jetzt wieder Jammern auf hohem Niveau – allerdings quälte mich der Juckreiz enorm, mein Kreislauf war am Tag davor bereits ordentlich abgesackt und die hustenden und nicht-Maske-tragenden-Menschen machten mir teilweise wirklich Angst. Von den Blicken der anderen Wartenden ganz zu schweigen – ich sah ja auch echt gruselig und hochansteckend aus.

Endlich war es soweit und der Arzt rief mich auf. In seinem kleinen Behandlungszimmer angekommen, fiel ihm erstmal die Kinnlade runter. Er war schockiert vom Ausmaß der Hautreaktion und verordnete sofort diverse Infusionen, stellte Rezepte aus und verwies mich direkt zur Krankenschwester zum Zugang legen. Und dann saß ich da – komplett überfordert. Ich hatte ihm gesagt, dass ich Typ 1 Diabetes und etwas Angst vor der Reaktion meines Körpers auf das Cortison habe. Allerdings sah er für meine Situation keinen anderen Ausweg als Cortison direkt intravenös und eine siebentägige Tablettenkur zu geben.

Und dann begann der Blutzuckerzirkus.

Seit meiner Diagnose hatte ich solche hohen Werte und Schwankungen nicht mehr. Die Nächte waren unruhig, ich habe gesoffen wie ein Pferd und war gefühlt nur auf der Toilette. Meine Füße begannen wieder zu kribbeln, meine Hände waren teilweise taub, meine Sehkraft wurde schlechter. Mir war bewusst, dass der Blutzucker so durch die Decke gehen kann, aber dass ich das Essen nur anschauen muss, um im Wert zu steigen, habe ich unterschätzt.

Das Basalinsulin lief auf 200-300%, schien aber nichts zu bringen.
Was habe ich gemacht? Es akzeptiert und über mich ergehen lassen. Was hatte ich für eine andere Wahl? Mein Umfeld wusste von dem Cortison und meinem Gemütszustand. Es waren anstrengende Tage, aber das Cortison schien zu helfen.

Mittlerweile ist die Tablettenkur zu Ende und ich habe wieder „normale“ Blutzuckerverläufe. Der Ausschlag ist noch ein wenig zu sehen, aber lange nichts im Vergleich zu den Anfangszeiten.

Kann ich aus dieser Zeit jetzt ein „Learning“ für das nächste Mal mitnehmen? Naja, nicht wirklich. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass es vielen Menschen mit Diabetes genauso geht wie mir – wir sind in diesem Moment einfach machtlos.

Cortison & Diabetes? Vermutlich ein schwieriger Endgegner als der Pizzabolus 😉

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