Eine Hassliebe

Kurzer Hinweis vorab: In diesem Eintrag spreche ich ein wichtiges Thema und meine Gedanken dazu an. Hier wird nichts beschönigt oder gut geredet. Das ist meine ehrliche Meinung und ich bitte euch diese zu respektieren.

Schon mehrere Male habe ich mich vor dem Auswärtsessen gedrückt, doch jetzt werde ich nicht drum rum kommen. Kohlenhydrate schätzen, entscheiden, ob ich eine Einheit mehr oder weniger spritze, … all‘ das konnte ich bisher relativ gut vermeiden. Mit üblen Folgen: Außerhalb von Zuhause essen oder sogar Essen beim Lieferservice bestellen macht mir mehr Kummer als Freude.
Sobald ich keine Nährwerttabelle zur Hand habe, bekomme ich kleine Panikattacken und schalte irgendwann komplett auf stur. Dann blockiere ich mich innerlich und natürlich folgen dann auch negative Gedanken. „Warum ich?“, „Werde ich jemals überhaupt wieder so essen gehen können wie vorher?“, „Wie schaffen das Andere?“, …
Kurz gesagt: Das Essen macht mir keinen Spaß mehr.
Was vorher sogar Entspannung für mich war, wird so langsam zur Qual. Ich vermiese mir selbst das leckere Essen, die Weihnachtssüßigkeiten, die ich vorher so gerne gefuttert habe.

Ist das gesund? Ganz klar, Nein.
Kann ich es ändern? Nicht alleine. In Verbindung mit Diabetes tauchen u.A. auch immer häufiger Essstörungen auf, da man sich Essen aufgrund des Insulinspritzens verbietet oder vermeidet, man die Lust am Essen verliert oder überfordert mit der Situation ist. Das Thema Essstörungen ist noch viel umfassender, aber ich möchte mich mit diesem Eintrag mit meinem aktuellen Problem befassen.
Noch geht es mir gut, noch esse ich relativ normal und es ist noch alles – mehr oder weniger – im grünen Bereich. Ich erkenne aber selbst, dass eine gewisse Gefahr auch bei mir im Moment vorhanden ist und bevor das Ganze zu groß wird und eskaliert, habe ich mich an einen Psychologen gewandt. Was ist daran auch verwerflich? Nichts, überhaupt gar nichts. Wenn man Hilfe benötigt, dann sollte man sich diese auch holen. Nur, weil man zu einem Psychologen geht, bedeutet es nicht direkt, dass man einen Knacks in der Birne hat. Für mich persönlich war wichtig, dass ich eine neutrale Person an meiner Seite habe, die mir offen und unvoreingenommen sagen kann, ob mein Handeln gut oder schlecht ist, ohne familiär oder freundschaftlich betroffen zu sein.

Klar, man geht davon aus, dass die Familie und die Freunde immer ehrlich zu einem sind – aber seien wir mal ehrlich, 100% neutral kann da niemand sein. Was ja auf der anderen Seite auch gut ist, man möchte für den Betroffenen nur das Beste, ihn beschützen – und nicht direkt ins Gesicht sagen, dass das was er da gemacht hat beschissen war.
Nun ja, mein erstes Gespräch mit dem Seelenklempner ist schon vorbei und wir haben knapp 1.5 Stunden miteinander geredet. Es sprudelte nur so aus mir heraus, meine Gedanken sprangen von einem Thema zum anderen – manchmal hatte ich Angst, er kann mir nicht so recht folgen – und ich hatte so viel Redebedarf, was mir anfangs gar nicht klar war. Zu meinem Erstaunen, konnte er mir doch sehr gut folgen und hat mein Anliegen auf Anhieb verstanden.
Und was sagt er mir? Ich bin damit überhaupt nicht alleine. Und gerade Menschen, die frisch diagnostiziert worden sind, sind besonders anfällig für die Ängste und Probleme beim Essen.
Ich kann es nur immer wieder sagen, meine Beziehung zu Essen war eine große Liebe. Ich habe gerne gegessen, vieles ausprobiert und sogar an die scharfen Köstlichkeiten taste ich mich langsam (sehr, sehr langsam) heran. Und jetzt das. Diese Diagnose. Es zieht einen in ein Loch… ein tiefes, schwarzes, dunkles Loch. Dort gibt es keine Freude am Essen. Dort gibt es nur das Abwiegen, Berechnen, Spritzen. Und am Ende sieht man welche Menge man an Kohlenhydrate man gegessen hat, bekommt von Ärzten zu hören „Sie essen aber viel.“ und dann ist man am Ende. Genau das sind im Moment meine Gedanken.

Es gibt gute Tage, an denen ich mir Mut mache & mir Dinge sage wie: „Du darfst doch alles essen, du musst nur dementsprechend Insulin spritzen.“ „Verbiete dir nichts, du hast nichts, was dich im Essen einschränkt“, „Sei froh, dass es Typ 1 und nicht Typ 2 ist. Dann müsstest du Möhrchen knabbern.“
Aber genauso gibt es eben auch die schlechten Tage.
Bisher habe ich wenig von einen negativen Gedanken und Erfahrungen öffentlich geteilt, aber dieses in mich hinein fressen bringt mich auch nicht weiter. Und ich weiß, dass ich nicht alleine bin und ich weiß auch, dass es doch ganz normal ist, dass man sich Hilfe holt, wenn man sie benötigt!
Kein Außenstehender weiß wie es mir wirklich geht. Keiner von euch hat ein Recht darüber zu urteilen, ob ich psychologische Hilfe benötige, oder nicht. Weil keiner von euch sich täglich mindestens vier Spritzen setzen muss, keiner von euch bevor er isst erstmal fünf Minuten Matheunterricht abhält und eure Finger sind nicht zerstochen vom Blutzuckermessen.

Das soll kein Angriff sein – oh Gott, niemals! Nur muss auch mal klar gesagt werden, dass diese Vorurteile, sei es um die Krankheit zu verharmlosen („Ja, musst jetzt halt immer spritzen, aber sonst geht’s dir ja gut.“) oder sich eine Meinung über den seelischen Zustand eines anderen Menschen zu bilden, endlich mal aufhören müssen. Ich lebe mit der Krankheit seit knapp mehr als einem Monat – mir tun die Menschen leid, die diese Leier schon ihr ganzes Leben hören müssen.

So, das musste jetzt auch mal raus. Zurück zu meinem geplanten Vorgehen, damit ich diese bösen Gedanken wieder aus dem Kopf bekomme.
Neben der Begleitung durch den Psychologen ( ~ einmal im Monat), befinde ich mich, wenn ihr das hier lest, gerade in einer „Konfrontationstherapie“. Ich habe meine Tasche gepackt und bin für ein paar Tage nach Berlin. Dort habe ich keine eigene Küche, werde vier Tage lang nur außerhalb meiner Komfortzone essen und muss damit irgendwie klar kommen. Klar, ich könnte auch die Zeit über hungern und mich nur von Brezel ernähren (da weiß ich die Einheiten schon gut – haha.), aber ich bin ja nicht alleine in Berlin.
Sally begleitet mich und da es unsere Tradition ist, wenn wir irgendwo zusammen sind, werden wir uns mit leckerem Essen zu stopfen.
Insulinspritzen sind genügen vorhanden – der Traubenzuckervorrat ist aufgefüllt. Es sollte also alles gut gehen. Ich erhoffe mir, dass ich etwas therapiert zurück komme und es selbst ganz gut im Griff habe.
Krass, oder? Wie aus einem einfachen Gang zum Bäcker um die Ecke plötzlich zu Stress wird … als normaler Mensch nur schwer vorzustellen.
Wie seht ihr das? Denkt ihr, ich mache es mir schwerer als es ist oder ist es verständlich, was in mir jetzt vorgeht? Ich bin wirklich neugierig …

Der erste Backversuch – Lebkuchen!

Finde das Rezept auch hier: https://youtu.be/vZwV0EdsZC4

Heute würde ich gerne ein Rezept mit meinen persönlichen Erfahrungen an euch weitergeben. Ich war nie ein Fan von „Lowcarb“, aber nachdem ich auf der Suche nach Lebkuchen beinahe einen Zuckerschock (haha.) bekam, machte ich mich etwas schlau und bin auf dieses leckere Rezept gestoßen. 🙂

Durch die totale Drehung in meinem Leben setz‘ ich mich nun viel mehr mit dem Thema „Nährwerte“ und „Inhaltsstoffe“ auseinander. Was man sonst einfach in sich rein gefressen hat, schaut man sich jetzt viel genauer an. Zwei KLEINE Lebkuchen haben 30gr Kohlenhydrate? Wer mich kennt weiß, dass ich mich mit dieser Menge niemals zufrieden geben würde. Kurz gesagt: Meine Lieblingszeit des Jahres wird nun zu einem Spritz-Marathon. Yippie!

Nichts da. So schwer ist das Backen nicht, und den Zucker der Lebkuchen hebe ich mir lieber für mein Nutellabrot am Morgen auf. Das Rezept, was ich euch gleich vorstellen werde, beinhaltet nur Süßungsmittel eurer Wahl. Ich habe eine flüssige Variante gewählt und auch die Menge reduziert – was eine gute Entscheidung war. Mandeln, Haselnüsse und die Schokolade haben ebenfalls nur wenige Kohlenhydrate und sind leichter zu verkraften als die Supermarkt-Variante.

Los geht’s!

Für ein Blech benötigt ihr folgende Zutaten:

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180 gr gemahlene Haselnüsse

65 gr gehackte Mandeln

3 Eier

165 gr Süßstoff

1/2 Packung Lebkuchen-Gewürz (ca. 25 gr)

2 gr Zimt

2 Messerspitzen Natron

80 gr Schokolade (85%)

Alles zusammen in eine große Schüssel geben und mit einem Löffel vermischen.

Ich habe beim ersten Versuch einen Schneebesen benutzt – macht diesen Fehler bitte nicht. 😀

Nachdem ihr eine feste Pampe gezaubert habt, formt kleine Kugeln. Die Größe sollte ungefähr die einer Pflaume sein. Legt sie auf das Blech und drückt sie anschließend mit einem Löffel oder den Händen flach. Wie dick ihr sie macht ist euch überlassen.

Das Meisterwerk kommt für ca. 15 bis 20 Minuten bei 180° in den Backofen. Ich empfehle euch, dass ihr Backofen am Anfang am besten vorheizt, so spart ihr am Ende etwas Zeit.

Sobald die Lebkuchen etwas fester geworden sind, sind sie fertig – es kann aber natürlich jeder selbst für sich entscheiden, ob er sie eher saftiger oder etwas „mehr durch“ möchte.

Solange das Blech abkühlt wird die Schokolade im Wasserbad oder Topf erwärmt. 

Wer lieber Vollmilch-Schokolade mag, kann natürlich auch andere Varianten verwenden – beachtet dann hier nur die neue Kohlenhydratmenge!

Anschließend könnt ihr die flüssige Schoki auf den Lebkuchen verteilen. Derzeit experimentiere ich ein wenig herum und habe auch noch Mandelsplitter hinzugefügt – ist aber jedem selbst überlassen! 🙂 

& fertig! War gar nicht so schwer, oder?

Die gesamte Portion hat circa 4 KE (40gr Kohlenhydrate).

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Danke

Anlässlich des 6. Tages der #happydiabeticchallenge , möchte ich einfach nur kurz Danke sagen. 

Wenn ich an die letzten vier Wochen zurück denke, waren diese Menschen besonders für mich da. Ich bin der Erkrankte, aber sie sind jetzt genauso mit an Board und haben immer den ein oder anderen Traubenzucker dabei, wissen wie man Blutzucker misst oder was sie zu tun ist, wenn es ernst wird.

 

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Mama & Papa, die trotz 200 km Entfernung mehrmals zu mir in die Klinik kamen. Stunden im Stau, trotz Arbeit und Haushalt daheim – morgens, wenn ich Hilfe beim Frühstück brauchte, mittags nicht satt wurde und Verlangen nach Pommes hatte und abends, wenn ich Angst vor dem Alleinsein hatte, Mama & Papa waren immer bei mir. 💙

 

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Sally – meine beste Freundin seit dem Kindergarten. Wir haben schon so viel miteinander durchgemacht. Aber, dass du mich irgendwann im Rollstuhl durch die Flure eines Krankenhauses fährst, weil ich nicht mehr laufen kann… mir die Haare wäschst, weil mir selbst die Kraft fehlt oder mir meine Insulininjektion gibst, weil mir selbst noch der Arsch auf Glatteis ging – damit haben wir nie gerechnet (zumindest nicht vor 2060) 💙

 

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Hoalabärchen – was soll ich schreiben? Alle Worte wären nicht genug. Danke, dass du mein Leben gerettet hast. Dass du mich zu Ärzten geschleppt hast, wenn ich nicht wollte. Dass du nicht locker gelassen hast, nachdem ich angeblich nur eine Grippe hatte. Dass du mir meinen Traubenzucker auspackst, wenn meine Hände so stark zittern, dass ich nichts mehr hin bekomme. Dass du mich aushalten kannst, wenn ich selbst schon längst keine Lust mehr auf mich selbst habe… Ich könnte noch hundert weitere Punkte aufzählen. Ich liebe dich 💙

 

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& zu guter letzt: meine Omi ❤️ die immer bei mir ist, auch wenn es aufgrund der Entfernung nur in Gedanken ist. Die mir wohl die größte Portion Knödel und Dampfnudeln kochen wird, sobald ich sie besuche. Und dann ist die Krankheit einfach mal vergessen und ich kann nur Nathalie sein. 👵🏼💙 {#danke}

Natürlich gibt es da noch viele andere Menschen, die mir täglich Mut zu sprechen und immer für mich da sind. Ich hoffe, dass ihr wisst wie dankbar ich dafür bin und euch alle nicht missen möchte. Solche Zeiten zeigen einfach, wer ist ein wahrer Freund und wer nur Deko. 

Ich werde zum Mathe-Ass

Heute soll es mal etwas theoretischer werden, da ich zu diesem Thema die meisten Fragen bekomme. Ich packe einen Schokoriegel aus und bekomme sofort die Frage zu hören: „Ja, darfst du das jetzt überhaupt noch? Du musst doch aufpassen was du isst! Wie machst du das denn jetzt?“ 
Ja, ich darf alles essen. Wie schon in meinem Beitrag „Nutella-Verbot“ erwähnt, gelten für mich keine direkten Verbote. Wie der leitende Doktor der Notaufnahme sagte: „Einem Typ 2 Diabetiker würde man jetzt McDonalds verbieten und ins Fitnessstudio schleifen. Sie dürfen sich die Pommes noch gönnen.“ Na, das lass ich mir natürlich nicht zweimal sagen!

Aber fangen wir mal ganz am Anfang an. 
07:30 Uhr – der Wecker klingelt. Also raus aus der Koje und den Blutzucker messen. Pikser in den Finger, fünf Sekunden warten uuund … 210mg/dL – Mist. 
(Side Note: Tagsüber sollte mein Zucker immer im Bereich um 120mg/dL liegen.)
Ab in die Küche und überlegen, was ich nun frühstücken möchte. Aktuell besteht es großteils aus Eiweißbrot, Nutella, Marmelade. Und dann fängt quasi der nervige Teil dieser Krankheit an – das Rechnen. Würde mich mein alter Mathelehrer (Herr W.) so sehen – ha! Der würde Augen machen. Ich fühle mich nach zwei Wochen ja schon wie ein Mathe-Ass.
Wie bereits erwähnt, abhängig von meinen Mahlzeiten muss ich mehr oder weniger spritzen. Dazu kommt dann noch die Korrektur meines Blutzuckers.

Lasst es uns mal gemeinsam durchrechnen:
Mein Blutzucker (BZ) steht aktuell bei 210 – das Ziel wäre 120. Ich muss in 1:40er Schritten korrigieren, was bedeutet: ab einem Wert von 160 muss ich zusätzlich eine Einheit rechnen, ab 200 zwei Einheiten und so weiter … wir stehen heute morgen bei 210, also zusätzliche drei Einheiten – UNABHÄNGIG was ich nun esse. Und hier erklärt sich schon, warum ich essen kann „was ich will“ – ich müsste jetzt sowieso spritzen. Ob ich mir drei Weizenbrötchen reinziehe, oder nur einen Kaffee trinke, die Korrektur muss ich spritzen – ich komme nicht drum herum. 
Merken wir uns also für die Korrektur schon einmal 3 Einheiten.

 

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100 gr Eiweißbrot haben 15 gr Kohlenhydrate

 Ich möchte heute nur zwei Scheiben essen (was für eine unrealistische Annahme …), zücke die Küchenwaage und wiege ab. Manchmal stehen die Angaben pro Scheibe bereits auf der Packung, manchmal nicht. Circa 80 gr Brot sind es – Dreisatz! 

100 gr = 15 gr KH
1 gr = 0,15 gr KH
80 gr = 12 gr KH 

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Weiter zum Nutella … 

100 gr = 57,5 gr KH
15 gr (eine Portion) = 8,6 gr KH

 

 

 

Und jetzt die Marmelade! Mist … die hat Oma ja selbstgemacht. Keine Angaben über Zucker, geschweige denn Kohlenhydrate. Und nun? Ja, dieses Problem werde ich jetzt wohl öfter haben, dass ich einfach keine genauen Angaben über das Essen habe. Hier habe ich im Moment noch die größten Probleme. Das bessere Einschätzen gewisser Lebensmittel kommt wohl eher mit der Zeit, aber was wenn man überhaupt keine Informationen hat? Ausprobieren und schauen was passiert. 
Da meine Oma weniger Zucker verwendet als die üblichen Supermarkt-Marmeladen besitzen, setze ich die Portion auch weniger an. Aber unterschätzt das Obst nicht!

Eine Portion setze ich ungefähr mit 3 gr KH an.

Zusammen macht es also: 12 gr (Brot) + 8,6 gr (Nutella) + 3 gr (Marmelade) 
Die Butter (die unter Nutella NICHT fehlen darf!) ignoriere ich, da es überwiegend nur Fett ist und keinen Einfluss auf meinen BZ-Spiegel hat.
23,6 gr Kohlenhydrate hat mein kleines Frühstück, damit ich auf die Kohlenhydrat-Einheiten (KE) komme, muss ich das Ergebnis nun durch zehn teilen
→ ~ 2,4 (2,36 aufgerundet)

Schön wäre es, wenn wir jetzt fertig sind. Leider nein … 
Ich habe sogenannte Faktoren, mit welchen ich mein Essen multiplizieren muss. Unterschiedlich zur Tageszeit bzw. Biorhythmus nimmt der Körper das Insulin besser/schlechter auf bzw. benötigt mehr/weniger, um den Zucker zu verarbeiten.
Aktuell sind meine Faktoren 1,5 für tagsüber und für spätabends/nachts 1,0 . 

2,4 * 1,5 = 3,6 Einheiten, die ich allein für das Essen spritzen muss. 
Es gibt Insulin-Pens, die können solche 0,5 Zwischenschritte spritzen, meiner kann nur ganze Schritte, also muss ich dementsprechend auf oder ab runden. 

Kommt ihr noch mit? Gleich geschafft … 
3,6 würde ich aufrunden, also werden es 4 Einheiten für das Frühstück + 3 Einheiten Korrektur. Macht gesamt 7 Einheiten Insulin für mich, damit mein Körper das Frühstück möglichst gut verarbeiten kann und zusätzlich der erhöhte BZ-Spiegel wieder in den Normalbereich kommt.

Puuuh … klingt vielleicht aufwendiger, als es letztendlich ist. Mit der Zeit bekommt man eine Routine, mittlerweile kenne ich viele Werte schon auswendig und muss diesen Dreisatz nicht mehr rechnen. So funktioniert es zumindest, wenn ich daheim esse. 
Im Restaurant wird das Ganze dann etwas aufregender – da habe ich leider keine Nährwerttabelle bei mir und auch keine Küchenwaage 😀
Wie ich in solchen Situationen handle, und mit was ich dann konfrontiert werde, spreche ich in einem neuen Beitrag an. 

Dankeschön für das Durchhalten und Lesen 🙂 Ich hoffe, die meisten sind jetzt nicht noch verwirrter als zuvor und ihr konntet einen Einblick in meine „Essensroutine“ bekommen. Was meint ihr, würdet ihr euch schwer damit tun? Was denkt ihr sind die Vor- und Nachteile? Ich bin neugierig auf eure Meinungen! 🙂

PS.: Danke an die Mathelehrer meiner Vergangenheit, Herr W. und Frau F.  Ihr habt immer an mich und meine Fähigkeiten geglaubt, ohne euch wäre das Alles niemals möglich gewesen.   *Ironie aus*

Aktueller Zustand: Nach mehreren guten Tagen, ist mein BZ-Wert die letzten Tage ein wenig höher. Woran das liegt weiß ich noch nicht so recht. Aktuell probiere ich unterschiedliche Sachen aus und warte ab, wie mein Zuckerwert so darauf reagiert.
Die Ärzte sind mehr als zufrieden mit mir und meiner Entwicklung in der kurzen Zeit. Allerdings gibt es für mich gute, wie aber auch schlechte Tage. Ich denke, dass das normal ist und selbst nach Jahren mit der Krankheit es immer noch bergauf und bergab gehen kann. Die Essenssituation außerhalb meiner Wohnung überfordert mich dennoch sehr und ich fühle mich als würde ich in der Luft hängen. Dann passiert es, dass ich keine Lust zum Essen bekomme und mich am liebsten auf der Couch verkriechen möchte. Zum Glück bin ich nicht alleine und mein Umfeld gibt mir viel Kraft – und das sollte man sich immer vor Augen halten. Man ist auf dieser Welt nicht alleine.

 

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Mein Lebensretter ♥